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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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ein großer Theil seiner Bilder wahrscheinlich schon bei seinem Leben unter dem Namen seinesVaters ausgegeben wurden *).

Die Bürgerschaft von Wittcnberg schenkte dem Sohne gleiches Vertrauen, wie dem Vater,erwählte ihn 1549 zum Rathsherrn, 1555 zum Kämmerer und 1565 zur Bürgermeister. Er warzweimal vermahlt; zuerst mit Barbara, derTochter des kursachsischen Kanzlers Gregor Brück , welche1550 starb. Seine zweite Gattin war Magdalcna, die Tochter des berühmten Professors der Me-dizin und Leibarztes des Kurfürsten, Augustin Schurff . Lucas d- I. starb zu Weimar d. 25.Jan. 1586. Seinen Grabstein in der Wittenbcrgcr Stadtkirche haben wir bei den Denkmälernschon erwähnt.

Johann Gottfried Schadow .

Hr. Schadow, den wir bei der Beschreibung der Denkmäler als den Meister des großenehrnen Standbildes Luthers kennen gelernt haben, ist in Berlin den 20. Mai 1764 geboren.Wenn unser Künstler sich viele Jahre hindurch mit besonderer Neigung zuerst mit mühseligenVorarbeiten» dann mit der sel>nrierigen kss«l>«feigte, so

dürfen wir wohl einen Grund dieser Vorliebe der Uebereinstimmung zuschreiben, welche er inden Schicksalen Luthers mit seinen eigenen fand.

Schadow ist, eben so wie Luther , von armen Bauersleuten geboren; sein Vater trieb zu-gleich das Schneiderhandwerk, er war von Zvssen nach Berlin gezogen, und der Knabe widmetesich aus eigenem Antriebe der Kunst in einer Zeit, wo sie und zumal die Bildhauerkunst, ebenso sehr eines Reformators bed»rfe<-» «iftf d!» K!r-t,« 5«? 3««' t Luthers. Die Mutter Schadow's war auch auf dem Lande geboren, hatte indeß bei einem Oheim in Berlin , der Buchdrucker war,einige Bildung erhalten; sie las gern in Büchern und hatte einiges Geschick im Zeichnen. Scha­ dow hatte mehrere Geschwister, und, so fleißig seine Acltcrn auch waren, so mußten sie doch sehreingeschränkt leben; Er und sein Bruder wurden in eine der unteren Classen des grauen Klo-sters gebracht, wo er sehr bedauerte, die Zeichenstunden, welche besonders bezahlt werden mußten,nicht besuchen zu können; .denn Talent und Neigung hierzu hatten sich frühzeitig gezeigt.Desto lebhafter ergriff er eine andere Gelegenheit, die sich ihm bald zur Befriedigung seines er-sehnten Wunsches darbot.

Friedrich der Große hatte den Bildhauer Tassart, einen Niederländer, aus Paris nachBerlin gerufen, unter dessen Aufsicht eine Anzahl Italiener und Französin die Statuen, die dasneue Palais und andere Schlösser und Garten verzieren sollten, ausführten. Einer von diesenBildhauern, Hr. Selvino, war ein loser Schuldner des Vaters Schadow's , der, um sich bezahltzu machen, ihm seinen Sohn zum Unterricht im Zeichnen übergab. Selvino erkannte in dem zwölfjäh-rigen Knaben glückliche Anlagen, rühmte seinen Schüler gegen Madame Tassart, eine Pariserin,die sich gern etwas Schönes über ihr Zeichcntalent sagen ließ, und neugierig ward, den jungen

*) Von Cranach dem Vater werden von Heller 400 Gemälde angeführt. Von Cranach dem Sohnenicht mehr als »9.