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3 (1851) Griechische Vasengemälde / erklärt von F. G. Welcker
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Boreas und Oreithyia.

widersprechen, dessen Anwendung auf Oreithyias Entfüh-rung doch wohl für mehr als blosse Verinulhung geltenkönne, wenn anders Boreas als Freier darin auftrete, seydaher kein Grund gewesen. AlleinSpartanische, Kretische,Römische Entführung ist gerade als Attisch mir nicht be-kannt und sie möchte auch in Athen zur Zeit dieser Vasenkaum als ein fremder Gebrauch bekannt gewesen seyn: andenlebendigen Zwiesprach aber eines altattischen Haus-halts würde ich schon darum bei den grossen Darstellun-gen der beiden Münchner und der Berliner Amphora undaller diesen sich anschliessenden Vasen niemals denken weildie Begleiterinnen in der mythischen Dreizahl Vorkommenund in so vielen der kleineren Darstellungen so oft eineoder zwei Freundinnen der Oreithyia, aber niemals ein Bru-der. Mir gilt daher in der That als völlig unbegründet dieseAnsicht:Neuen Reiz knüpfte die Dichtung daran wenn siein Oreithyia und ihren Thauschwestern das Schicksal vonKönigstöchtern, in der von Boreas geraubten Schönen dasBild einer rasch und glücklich vollzogenen Vermälung, inihrer Gemeinschaft mit den Gespielinnen und in den einzel-nen Zügen des Reliefs (sic) die stets wiederkehrende SitteHellenischer Bräute ausinalte. An Bezüge auf Liebe undHeirath ist freilich die Mythologie und die Malerei reich ge-nug und an Zeus und Thetis , Semele, Dioskuren und Leu-kippiden, Dionysos und Ariadne und gar viel Ähnliches er-innert sich freilich ein Jeder leicht. Was ich meine istdass, da sich Alles in der Mythologie auf menschliche Ver-hältnisse bezieht, nach ihnen im Ganzen ausgebildet ist, füruns sehr viel darauf ankomme alles Einzelne für sich so-wohl mythologisch als aus dem Leben zu erklären, Gemäldedie für Tempel erfunden waren, bestimmte Gebräuche undSitten von zufälligen Einflüssen künstlerischer Laune undvon nur möglichen oder auch wahrscheinlichen Anspielun-gen und Bezügen auf das wirkliche Leben zu unterscheiden;sehr wenig aber darauf ankomme über die besondern Ab-sichten die ein Künstler bei der Wahl eines Gegenstandes