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Ausführliche Anleitung zu der gantzen Civil-Bau-Kunst : worinnen nebst denen Lebens-Beschreibungen, und den fünf Ordnungen von J. Bar. de Vignola wie auch dessen und des berühmten Mich. Angelo vornehmsten Gebäuden, alles, was in der Baukunst dem Bauzeuge, der Austheilung und der Verzierung nach, so wohl bey der Bildhauer, Mahler, Steinmetze, Maurer und Zimmerleute, als Dach-Decker, Schlösser, Tischer, Gärtner u.d.gl. Arbeit an allerley Arten der Gebäude vorkommen mag, berühret, an deutlichen Beyspielen erkläret und mit schönen Rissen erläutert wird : Vortitel: L'architecture de Vignole avec les commentaires du Sr.Daviler / erstlich in frantzösischer Sprache zusammen getragen, und heraus gegeben von ... A. C. Daviler ...; nach diesem in das Teutsche übersetzet und mit vielen Anmerckungen auch dazu gehörigen Rissen vermehret von Leonh. Christ. Sturm ...
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394 2Wie ich oben gedacht, ſo iſt am beſten ſolche Mauer zu verblenden,

dazu gebraucht man am beſten gemeinen Ziegel, die aber nur 3. Zoll dicke,im uͤbrigen, wie gemeiniglich 5. Zoll breit und 12. Zoll biß 14. lang ſeyn.12 dieſen muͤſſen noch abſonderliche Ziegel gleichſam wie Winckelhacken ge-

richen werden. Man bilde ſich ein einen viereckichten Ziegel 3. Zoll dicke,14. Z. lang und 14. Z. breit. Aus dieſem ſchneide man ein viereckicht Stuͤckean einem Eck heraus g. Z. lang, und 8. Z. breit, ſo wird man die Form desbegehrten Ziegels haben. Mit dieſem Ziegel wird die Ver bindung alſo ge-machet, daß auſſen an der Wand herauf immer ein Ziegel nach der Breite,und zwey darauf nach der Laͤnge und Dicke, und daruͤber einer nach derDicke und Breite geleget wird, daß er biß durch das Feld zwiſchen dem öHoltze hinein reichet. Die Hacken⸗Ziegel werden gebrauchet die Stender zuverkleiden. Eine ſolche Wand wird gar ein weniges mehr koſten, als eine ge-meine hoͤlzerne, und hingegen faſt eben die Dienſte thun,(die Bewahrungwider das Feuer ausgenommen) als eine gantze ſteinerne.

XV.Anmerckungen von der Conſtruction.

2 5 55 hrſre aue Maurer pflegen die Mauren innen abzuſetzen und auſ-der Mau. ſen gerade aufzufuͤhren. Unſer Autor will das Gegenſpiel haben und

ren. aulſſn abgeſetzet, innen aber gleich aufbauen. Beyde Arten konnen bey guten

Mauren nicht ſtatt finden, die erſte aber am allerwenigſten. Am beſten iſt

es innen und auſſen, nach Goldmanns Angeben, gleich weit abſetzen, und

die gantze Mauer auch gleich mitten auf den Grund aufſetzen. Die Gruͤn⸗*

de der Gewichts⸗Kunſt erfordern es alſo: Die Urſachen, welche ein Theil

vor die innere, und der andere vor die aͤuſſere Abſetzung anfuͤhret, find bey-

des gut und unumſtoͤßlich, woraus zur Gnuͤge erhellet, daß man beydes zu-

110 an allen Mauren beobachten muͤſſe. Ich ſehe nicht, wie man die Ge-

aͤude innen gerade auffuͤhren, und dannoch die Balcken der Geſchoſſe

wohl anbringen koͤnne, wenn man ſie nicht gleich mit einmauret, da ſie denn

ſo viel laͤnger unbedecket liegen, und Froſt, Naͤſſe, Hitze und Trockene aus-

ſtehen muͤſen. Kommet ein Ungluͤck, daß innen das Hauß ausbrennet,

ſo ſchieſſen die Mauren gerne gegen das Gebaͤude ein. Denn unlaugbar

iſt, daß ohne die Balcken eine ſolche Mauer einwarts zu fallen geneigt iſt,

weil auſſen die dicke Mauer gleichſam dawider ſtrebet. Saget man aber

unſern Maurern, daß ſie auſſen abſetzen ſollen, ſo lachen ſie, und fragen,

wie das ausehen wuͤrde. Sie moͤchten aber in dieſem Stucke bey ihrem

Maurer⸗Verſtande bleiben, und von dem Wohl⸗ausſehen nicht urtheilen,

weil dieſes vor ſie zu hoch iſt. Sie decken nur einen jeden Abſatz mit einem

wenig vorſpringenden Krantze, ſo werden ſie wohl erfahren, daß das öAbſetzen auſſen gar gut ausſiehet, ja von vielen nicht einmal henewird.