Erstes Kapitel. 65
Angelegenheiten ändern. Er eröffnete einen neuenSchauplatz, auf welchem die Talente des Kaisersund des Königs von Frankreich in der Staatsklug-heit sich um die Wette beweisen konnten. Diefranzösischen und kaiserlichen Vortheile und Kunst-griffe wüsten nun bald das ganze Cardinalscolle-gium theilen. Die französischen Minister konntenin Italien dasjenige wieder gewinnen, was sie inDeutschland verloren hatten. Neben der allezeitdringenden Absicht, ein gewisses Ansehen zu be-haupten , oder wieder zu erlangen, mußte anitztein noch dringenderes Interesse die Blicke zweyerCabinette, deren eins auf das andre eifersüchtigwar, auf das Conclave ziehen. Es war allezeitwahrscheinlich, der neuePabst, wer es auch werdenmöchte, würde die Partey derjenigen ergreifen, dieihm auf den Stul verholfen hätten.
Obgleich das Alter Leo des Xten dem Ehrgeizeder Cardinale eine nur sehr entfernte Hoffnung hak-te lassen können, so hatten gleichwohl einige dersel-ben ihre Ansprüche auf die päbstliche Krone schonblicken lassen. Der Cardinal Wolsey hatte Karlsdes Vten Partey bloß in der Hoffnung unterstützt,daß die kaiserliche Faction ihm bey der nächstenVacanz wieder nützliche Dienste thun würde.Leo der Xte hatte feiner Seits Einrichtungen ge-macht, um nach seinem Tode seinem Vetter, demCardinal von Medicis, die päbstliche Würde zu ver-sichern: in dieser Absicht hatte er ein Decret gege-ben , daß alle Beneficien und Pfründen des neuer-wahlten Pabstes unter die Cardinäle ausgetheiltII. Band. E werden