Sechstes Kapitel. 155
der Richter, die Furcht für die Herzoginn, die Liebefür den König, die Achtung, die man den Verdien-sten des Connetable schuldig war; die Schamhaf-tigkeit, die Unterdrückung des Helden, den Frank-reich verehrte, zu befördern, das Verlangen, sich inder Gunst der Großen einzuschmeicheln; die Hoff-nung, Gnadenbezeugungen zu gewinnen; der Windvom Hofe, der allenthalben, wo er hinbläset, so vielStürme erregt; diese verschiedenen Bewegungen,die Wechselsweise einander bestricken, waren in allenGemüthern wallend und wirksam.
Die Herzoginn von Bourbon-Beaujeu, dieSchwiegermutter des Connetable, sah den Umfangdieses abscheulichen Handels, sammlete den Rest ei-nes Muths, den so viel Unglücksfalle, und zuletztder Tod ihrer Tochter geschwächt hatte, und ver-theidigte ihren Schwiegersohn; sie drang sich aufdie Ausführung des letzten Willens dieser Tochter,die sie beweinte: aber sie folgte ihr bald: sie starbniedergedrückt von dem Gewicht einer ungerechte»*Macht, mit welcher sie selbst unter Karl dem VIII.ihre Feinde gedruckt hatte. Ihr Testament bestä-tigte den letzten Willen ihrer Tochter.
Bourbon war nun allein, und bot mit stolzerStirn dem Ungewitter trotz, das er mit einem Wor-te hätte beschweren können. Der Geiz hatte ander Ungerechtigkeit der Herzoginn von Angoulemeden geringsten Alttheil: Diese Fürstinn wollte dieGüter, dik sie in Anspruch nahm, nicht sowohl selbstbesitzen, als dem Bourbon rauben. Man mochte
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