Neuntes Kapitel. 28Z
digungen dafür versprochen hätte, die man ihrnicht hielte. Man kan ohne verwegen zu heisftn, 1546aus der Art, nach welcher der Tractat von Cres-py verhandelt war, aus dem beständig wiederhol-ten Entweder, wo kein Entweder statt haben müß-te , aus dem Aufschub der zu machenden Wahlen,die längst hätten gemacht seyn müssen, ja man kanaus allen Umständen schließen, daß der Kaisernicht Willens gewesen sey, diesen Tractat zu hal-ten, und daß es ihm, wenn die zur Vollziehungbestimmte Zeit angekommen wäre, nicht an Aus-flüchten gefehlt haben würde, derselben auszuwei-chen : aber niemals hätte er eine wahrscheinlicherefinden können, als diejenige, die ihm der Tod desHerzogs von Qrleans darboth.
Der Geist, oder die allgemeine Absicht derTractars bestund darinn, daß das Mailandische,oder die Niederlande niemals mit der Crone Frank-reich vereinigt werden, sondern einer, oder verän-dere dieser Staaten dem Herzoge von Orleans,alsein Brautschatz seiner Gemahlinn, dieß mögte nundie Tochter, oder die Nichte des Kaisers seyn, ge-hören sollte. Wie konnte alles dieses hinfuhr»statt finden? War es der Kaiser, oder war cSder König von Frankreich, der durch den Tod desHerzogs von Orleans vermehren sollte ? Franz derErste hatte einen Sohn vcrlohren, sollte er des-wegen einen neuen Staat gewinnen, sollte derKaiser deswegen einen vermehren? denn der Kai-ser hätte doch geglaubt, so einen Staat zu behal-ten, den er seiner Tochter, oder seiner Nichte
gäbe.