Neuntes Kapitel.
28.5
nach dem Tode des setzten Herzogs von Mailand,Franz Sforza gesehen hatte. Der Kaiser wollteallezeit das Mailändische behalten; der König woll-te es allezeit wieder haben. Bey diesen beydersei-tigen Gesinnungen schien es, derKrieg würde nichtlange ausbleiben können.
Franz schickte, um diesem Kriege zuvorzukom-men, oder ihn zu beschleunigen, den Admirald' Annebaut und den Canzler Olivicr zum Kaiser,und ließ ihm einen neuen Tractat, an statt desvon Crespy, der nun keinen Gegenstand mehr hat-te, vorschlagen. Der Kaiser unterließ auch dießrmal nicht seine Zuflucht zu seiner gewöhnlichen Listzu nehmen. Er stund damals in einer wichtigenVerlegenheit, die ihn für einen Bruch mit Frank-reich bange machen mußte; er wollte Frankreichalso weder befriedigen, noch misvergnügk machen.Der Schmalkaltische Bund, der geschäftiger ge-worden war, seitdem Franz der Erste denselbennicht mehr aufwiegelte, beunruhigte den Kaisermehr als jemals; die Protestantischen Fürsten em-pörten sich, er hatte eine Armee anwerben lassen,um sie unters Joch zu bringen, die Unterhaltungdieser Armee erfoderte Geld; der Kaiser gieng nachAntwerpen, um die reichen Kaufleute dieser Stadtzu bewegen, daß sie ihm die benöthigten Summenvorschießen mögten. Die Französischen Gesand-ten trafen ihn in Brügges an, und er beschied sienach Antwerpen: daselbst ästete er sie mitzweydeu-tigen Versprechungen so lange, bis er den Zweckseiner Reise erfüllet sahe. Er erhielt größkentheils.