Fünfte Abhandlung. Z89
sie marterten, sie offenbarte ihrem Sohne alles,und bath ihn um Vergebung. Ihr Mitschuldi-ger Ventil, der aus einem Secretair des Sem-blanzay Rath und hernach ParlemcntSpräsidentgeworden war, ward nachher wegen dieses Ver,brcchens, das er bekannte, gehenkt.
Diese Erzählung von der durch den Ventil ge-siohlnen Quittung, scheint durch eine Art von Tra-dition, die von einem Zeugnisse der Geschichte un-abhängig ist, die aber sehr aufgeklärte und scharf-sinnige Critikcn Verständige annehmen, einen all-gemeinen Glauben gewonnen zu haben. Sollman sie als wahr annehmen, so muß das Anden-ken der Herzoginn von Angouleme in den Augenaller rechtschaffenen Leute auf ewig fluchwürdigscheinen.
Aber verschiedene Gründe machen diese Erzäh-lung verdächtig:
i. Die Schriftsteller,die zu diesen Zeiten lebten,sagen nichts davon. Martin dü Bellay, derSemblanzayö Geschichte ziemlich umständlich er-zählt, und der sie aller Wahrscheinlichkeit nach,genau wissen mußte; Bcaucaire, der Bellays Er-zählung mit einigen sehr lebhaften Anzüglichkeitengegen Franz den Ersten, und gegen seine Mut-ter, Semblanzay zum Vortheile begleitet; Bau-chet in seinen Annnlm von Aquttanien; Ma-rillac, der in dem Leben des Connetable vonBourbvN/ dessen Secretair er gewesen war, die-se Gelegenheit nicht würde haben entwischen las-sen , der Feindinn seines Helden Wehe zu thun,
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