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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Decoration. Pompejanische Scenographie.

wenn auch an den Tempelresten Roms keine Spuren von Farben mehrgefunden werden, so sprechen doch die blauen und rothen Zierrathenauf dem weissen Stucco der pompejanischen Säulen und Gesimse, j®oft die totale Bemalung derselben unwiderleglich für eine durchausübliche Polychromie (Mehrfarbigkeit). Gewiss nahm dieselbe in derKaiserzeit bedeutend ab, indem ein immer wachsender, bis zur Ver-wirrung und Verwilderung führender Reichthum gemeisselter Zier-ratlien ihre Stelle vertrat; auch die zunehmende Vorliebe für farbigeSteinarten musste ihr Concurrenz machen.

Zweitens war schon in der spätem griechischen Kunstepoche diesog. Scenographie aufgekommen, eine Bemalung der glatten Wände,auch wohl der Decken und Gewölbe, mit architectoniscliem und figür-lichem Zierrath. Was von dieser Art in römischen Tempeln vorkam,wollen wir nicht ergründen; erhalten sind in Rom nur wenige Frag-mente in profanen Gebäuden, z. B. in den Titusthermen, in einigenGrabstätten etc., und auch diess Wenige lernt man .jetzt, da Luft undFackelrauch cs entstellt, besser aus den (übrigens selten stylgetreuen)Abbildungen kennen als aus den Originalen. Dagegen sind theils inPompeji an Ort und Stelle, theils im Museum von Neapel einegrosse Anzahl von Wanddecorationen mehr oder minder vollständiggerettet, die uns der Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 zum Geschenka gemacht hat. (Im Museum die drei Säle unten links; manches Deco-]> rative auch in den zwei Sälen unten rechts.)

Das Figürliche wird hei Ardass der Malerei besprochen werden:hier handelt es sich zunächst um die arehitectonisch-decorative Bedeu-tung dieses wunderbaren Schmuckes.

Man wird sich hei einiger Aufmerksamkeit sofort überzeugen, dasskein einziger Zierrath sich zweimal ganz identisch wiederholt, dassalso die Schablone hier so wenig als an den griechischen Vasen(s. unten) zur Anwendung gekommen sein kann. Ich glaube behaup-ten zu dürfen, dass die Maler mit Ausnahme des Lineals und einesMesszeuges kein erleichterndes Instrument brauchten, dass sie also mitAusnahme der geraden Striche und der wichtigem Proportionen Allesmit freier Hand hervorbrachten. Ihre Fertigkeit in der Productionwar zu gross; sie arbeiteten ohne Zweifel schneller so als mit jenenHülfsmitteln jetziger Deeoratoren. Mit den Stuccoomamenten verhielt