Buch 
Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
Entstehung
Seite
172
JPEG-Download
 

172

Renaissance. Entwürfe.

flächen einen solchen Reiz aus, selbst wenn sie nur mit leidlichen,widerspruchslosen Einzelformen verbunden ist. .Ta, es worden Auf-gaben gelöst, Elemente der Schönheit zu Tage gefördert, welche inden beiden einzigen streng organischen Stylen, dem griechischen unddem nordisch-gothisdien, nicht Vorkommen, und sogar nicht Vorkom-men konnten. Was insbesondere die Renaissance, sowohl die frühereals die spätere, in dieser Beziehung Grosses geschaffen hat, soll imFolgenden kurz angedeutet werden.

Natürlich blieb auch in der Blüthezeit der Renaissance das Besteund Grossartigste unausgeführter Entwurf. Wir erfahren durch Nach-richten , auch wohl durch Zeichnungen welche die grösste Sehnsuchtrege machen, wie Brunellesco einen grossen Palast für die Mediceer,Rosellmo eine neue Peterskirche sainmt Umgebung und Residenz, Bra-mante einen neuen Yatican entwarf, zahlloser anderer Projekte dergrössten Meister nicht zu gedenken. Die Sammlung der Ilandzeicli-a nungen in den Uffizien enthält von dieser Gattung wenigstens einigesvom Wichtigsten. Für Architekten, welche mit der oft nur andeutendenAusdrucksweise des Zeichners, namentlich mit den perspeetivischenHalbansichten von Interieurs rasch vertraut sind, hat die Besichtigungderselben einen grossen Werth. Eine facsimilirte Herausgabe des Bestenwürde sich gewiss lohnen.

Noch eine andere Quelle kann uns das Bild dieses Styles ergänzenhelfen. So reich auch eine Anzahl besonders kleinerer Gebäude mitdem heitersten Schmuck ausgestattet ist, deren Venedig vielleicht cU 6zierlichsten enthält, so konnten doch Marmor und Erz nicht alle Phan-tasien verwirklichen, denen sich die decorativo Neigung des XV. Jahr-hunderts hingab. Wer auch diese Phantasien kennen lernen will, be-trachte die in vielen damaligen Bildern dargestellten Baulichkeiten;sie sind bunt, überladen, bisweilen unmöglich, und doch nicht nur oftvon grossem Reiz, sondern auch zur Kenntniss des Baugoistes jenerZeit unentbehrlich, wobei nicht zu vergessen ist, dass viele Mal ßrzugleich Baumeister waren. Mantegna und seine ganze Schule i stsehr reich an Hintergründen von Hallen mit Reliefs; von den Ferra-resen ahmte ihn Mazzolino hierin mit Übertreibung nach; Pintui-iccln 0