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Die neue Sternwarte der Wiener Universität / von Karl v. Littrow
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slusse durch das mächtige Geläute zweier in nnmittel-barstcr Nähe gelegener, einen großen Theil des Him-mels deckender Kirchthürmc gesteigert; Rauch aus un-zähligen Schloten, welcher nicht nur die Beobach-tungen hinderte und den Instrumenten höchst nach-theilig war, sondern oft den Aufenthalt in den Ob-scrvationslocalcn geradezu unmöglich machte; ringsumvon der Sonne erhitzte Dächer, die der Strahlen-brechung so wie der Lufttemperatur bis tief in dieNacht alle Stabilität' nahmen; die Dunsthülle, welchekeiner größeren Stadt fehlt, von tansendcn vonStraßenlaterne» erleuchtet und dadurch alle feinerenObjecte der Wahrnehmbarkeit entziehend; eine wirklichfeste Aufstellung der Instrumente völlig unausführbar das waren die Folgen solcher Situation einerSternwarte, die durch einen riesigen Guomon, durcheinen aus dem sehr tiefen Keller den ganzen sieben-stöckigen Bau durchziehenden Schacht für Beobachtungvon Sternen bei Tage, durch eine Camera obscuraaus der Spitze des Daches, durch eine nach vielenDutzenden zählende Sammlung von langen Röhren zuPerspektiven, von Astrolabien, Armillarsphären, Son-nenuhren rc. sich sofort als Kind des 17. Jahrhun-derts zu erkennen gab. Mochte auch die Anstalt inden ersten Jahrzehnten ihres Bestehens durch Heraus-gabe anderwärts längst überholter Ephemeridcn unddadurch ein Scheinleben fristen, daß man auf die neueRichtung, welche die Astronomie seit Bradley genom-men, keine Rücksicht nahm und statt eigentlicher Fnn-damentalmessungen von Sternpositionen sich mit bei-läufigen Zeitbestimmungen, ziemlich zufälligen Wittc-rungsnotirungen, Beobachtung von Sternbcdecknngcn,Finsternissen u. s. w. begnügte, so zeigte sichdoch schon zu Anfang unseres Jahrhunderts