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Chronologische Uebersicht der Geschichte des preussischen Heers dessen Stärke, Verfassung und Kriege seit den letzten Kurfürsten von Brandenburg bis auf die jetzigen Zeiten / mit vielen erläuternden Zusätzen von F. v. Ciriacy
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endlich daS vom fremden Einfluß gedrückte, tiefgekränkte Preußische Volk, in seinen Lintentruppen,

Legen kam. So errichteten z. B. die Kurmärkischen Land-stände beim Einfall der Schweden >673 ein Regimentfür den Kurprinzen Friedrich, später die Garde FriedrichWilhelms I. Im Jahr 1704 bildete steh eine Landmiliz«on ic>,ouc> Mann, während daS Heer selbst gegen dieFranzosen focht, und später alS der Nordische Krieg auchDeutschland erreichte. Endlich ist eS bekannt, welchezahllosen freiwilligen Opfer die Preußen während des sie-benjährigen KriegeS, aus Enthusiasmus für ihren Aschigund auS Liebe für ihr Vaterland darbrachten, und zwar niemehr, als im größten Unglück. Es ist bekannt, daß dieLandstände von Pommern , Brandenburg und Magdeburg eine Landmilij von roooo Mann errichteten, und bejahrte,wegen ihres Alters verabschiedete Offiziere von ihren ruhige»Wohnsitzen herbeieilten, um bei diesen Truppen von neuemzu dienen. Zn Stettin wurden zwei Fregatten von 20,drei Galeeren von 10, und neun kleinere Fahrzeuge von6 Kanonen ausgerüstet. Die vom Feinde besetztenProvinzen in Wesiphalen, Preußen und Schlesien verbargendie Königlichen Einkünfte, so viel sie konnten, und schicktenste, nicht ohne große Gefahren, ihrem rechtmäßigen Lan-desherrn. Die Edelleute, Bürger und Bauern von Mag­ deburg und Halberstadk machten mir beinahe 4000 Pferden,die sie von ihren Kutschen und Wagen loSspannren, demKönig ein Geschenk. Außerdem errichteten alle dieseLänder noch Provinzial, Husaren, Welche unter den Gene-ralen Delling und Werner den ganzen Krieg hindurch dienützlichsten Dienste leisteten.

Erblickt man diese Erscheinungen nicht auch Im JahrIgc> 6 , so liegt die Ursache in der allgemeinen Betäubungnach dem mir unberechneter Schnelligkeit herbeigezogenenUnglück, und daß eben alles Heil und Glück nur in demHeer gesucht ward. Dennoch, wer zweifelt wohl, bedurfte«S nur eines Winkes des geliebten KönigS, lind daSaufgerufene Volk setzte der hereinbrechenden Fluth einengewaltigen Damm entgegen. Namentlich harrten die nochnicht überzogenen Schlesier dieses Winks. Eine ganz andereGestalt hätte dieser Krieg gewonnen, wenn die Kräfte dieserProvinz so benutzt wurden, als es möglich war, und end-lich imLahr reiz hier und allgemein wirklich geschah.