Buch 
Chronologische Uebersicht der Geschichte des preussischen Heers dessen Stärke, Verfassung und Kriege seit den letzten Kurfürsten von Brandenburg bis auf die jetzigen Zeiten / mit vielen erläuternden Zusätzen von F. v. Ciriacy
Entstehung
Seite
213
JPEG-Download
 

fürst die höher» Befehlshaber zusammen nahm, undin gnädigen, ermuthigenden Rede», welche sich aufden bevorstehenden Felvzug bezogen, zu ihnen sprach.Auch wurden sie zur Tafel gezogen, und prächtigbewirthet. Zum Äbschied ließ der Kürfürst seineOffiziere zum Handkuß^').

Die innere Disziplin der Truppen gewährte nunauch die Möglichkeit zur Einschränkung der Willkührder Kriegsschaaren gegen die Landesbcwohner. DerKurfürst stellte dadurch den seit Jahrhunderten ge-störten Landfrieden zwischen beiden Theilen wiederher, da er überhaupt keine Schaar von Lohnknechten,sondern ein wirklich vaterländisches Heer unterhaltenwollte. Da solches fast aus lauter Einländern be-stand, und von den Unterthanen ernährt ward, sokann man auch annehmen, daß es immer noch denwaffenfähigen Theil des Volks rcpräscntirte. Dennwenn gleich die Verpflichtung zum Kriegsdienst fastallgemein mit Gelv abgethan ward, so ruhte die Ideederselben doch ohne Unterschied fortwährend auf je-den Staatsbürger. Zwar offenbarte sich in Gemäß-heit der allgemeinen Richtung, welche die Entwicke-lung der Europäischen Völker zu dieser Zeit nahm,auch im Brandenburgischen Staat eine Sondcrungder bewaffneten Macht vom Volke selbst, als eigen-thümlich für sich bestehende kriegerische Kaste. Dochmuß man schließlich diese Erscheinung zum großenTheil auch in dem handwerksmäßigen Geist suchen,welcher sich in dem, durch den Gebrauch des Schieß-gewehrs so sehr veränderten Kriegswesen gebildethatte. Verstand sonst jeder tüchtige Mann Schwertund Spieß gehörig zu führen, und war mithin stets

*) Stuhr Brandend. Kriegsverfaffunz