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Tagebuch während des Krieges zwischen Russland und Preussen einerseits und Frankreich andrerseits, in den Jahren 1806 und 1807 / geschrieben von Carl von Plotho
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Feindes in dem Besitz der Stadt werde behauptenkönnen. Da gab der Fürst Gotschakow den Befehlzum Rückzüge; die Kavallerie deckte ih mit Ener-gie, obgleich der Feind die heftigsten Angriffe machte.Jetzt aber eröffnet sich die gräßliche Scene, von dersich schaudernd das Auge wegwendet, und was dasAuge nicht sehen kann, mag auch das Ohr nichtvernehmen. Ein Theil der Infanterie näherte sichder brennenden Vorstadt, durch welche sie ihren Rück-zug nehmen sollte, und fand sie von feindlichen Trup-pen besetzt; wer vermag die nachfolgenden Augen-blicke zu schildern,-die Verzweiflung, und die

Wuth der tapfern Russen, ihren fürchterlichen An-griff, nicht fürchterlicher konnte er jemals seyn, ihrVorrücken durch die brennende Vorstadt, sich entge-gen stürzend der Kugelsaat, die der Feind über sieschüttete und die den meisten das Leben nahm.Aber fort muste der Feind aus der Stadt und Vor-stadt hinaus in's Freie, und wie von Rache aufge-boten verfolgten ihn auch dahin die gereizten Russen. Schon stiegen die Flammen der Stadt hoch em-por, und die Brücken sanken, und noch kamen ge-drängte Truppen, um überzusetzen auf das andereUfer; die Kavallerie und Infanterie stürzten sich end-lich in den Fluß*), noch immer von dem feindlichenFeuer verfolgt, und suchten und fanden darin» Ret-tung oder Tod-

') Zwilchen der Ziegelei und Kloschenen.