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dauerhaften Ganzen gebildet. Friedrich Wilhelm I. sorgte auf jede Weise für dasselbe. Der Sold des ge-meinen Mannes wurde monatlich mit 12 gGr. erhöht.Jeder Compagnie des Fußvolks wurden zur Fortschaffungihrer Zelte und ihres FeldgeräthS, welches die Leute früherselbst tragen mußten, im Kriege zwei Packpserde bewilligt.Zur Unterhaltung im Kriege wurden Vorrathshäuser inden mehrsten Festungen angelegt, und zur Versorgung fürSoldatenkinder das große Waisenhaus in Potsdam ge-stiftet.
Im Mai 1715, vor dem schwedischen Kriege, wurdedie Armee in einem Lager bei Schwebt zusammengezogen,welches der Fürst von Dessau kommandirte. Am 28sten Maikam der König daselbst an und der Fürst ließ die eben neugekleideten Regimenter im schönsten Glanz vor dem Königevorbei defiliren, welches demselben sowohl gefiel, daß erbeschloß, dies alle Jahre wiederholen zu lassen. woraus nach-her die jährlichen Revuen entstanden. Dabei wurde dasHeer von dem Könige selbst gemustert und der Zustand je-des Regiments genau untersucht. Jeder Mangel, jeder Feh,ler in den Uebungen wurde sorgfältig bemerkt, und den Re-gimentern die zur Abstellung nöthigen Befehle ertheilt. Sogelangte das Fußvolk binnen sehr kurzer Zeit zu einer bisdahin unerhörten Vollkommenheit. „Es machte die vorge-schriebenen Uebungen mit so vieler Genauigkeit," sagtFriedrich II , „daß die Bewegungen eines ganzen Ba-taillons den Wirkungen des Triebwerkes einer vollkommengemachten Uhr gleich kamen." — Diese Uebungen warenvielleicht nicht alle zweckmäßig. Man legte zu viel Werthauf die sogenannten Handgriffe und hielt sich zu lange beiihnen auf. Auch hatten die unausgesetzten Beschäftigungenmit dem Soldatenwesen vielleicht zu allerhand übertriebenenVerfeinerungen, besonders in Rücksicht auf Anzug und Putz,Anlaß gegeben. Der lange Friede führte von der Vor-sorge für Ordnung, Reinlichkeit und Mannszucht endlichauf Kleinigkeiten bloß für das Auge. Der eigentlich krie-gerische Geist erlosch zum Theil in mehreren Officieren.