Nachricht von dem Kriege.
Cap. LIV.
73
Ich weiß aus der Erfahrung, daß es Landes Beschaffenheiten giebet,wo die Zugänge, durch Felsen, dergestalt enge gemachet werden, daß Felsen anFelsen, bis gang hinan auf den Berg, so an einander stoffen, daß fast gar nichtfortzukommen ist; wenn man aber, in diesem Fall, den Feind dennoch aus sei-nem Posten zu vertreiben gedencket, so ist da kein anderer Nath, als daß mandie Neben- Seiten einnimmt.
Werden hingegen solche enge Oerter von Moräften, die den Eingang indas Land schlechterdings sperren, verursachet, und diese Moråste stoffen, zumExempel, auf einer Seite an einen Fluß, und auf der andern an eine Festung,so daß man selbige, mit einem Wort, nicht umgehen kan, so ist da, wenn manhindurch will, kein anderer Rath, als daß man Damme von Faschinen machet,und von einem Ort zum andern, auf den trockensten Plägen in dem Morast,Reduten anleget, und solche mit Fuß- Volck besetzet, damit die Colonne, welche auf diesem Damm marschiret, durch das Feuer aus dem Geschüß undDen Musqueten, so aus gedachten Reduten kommt, nachdrücklich beschüzet undauch bedecket werde.
Wann aber, mit aller dieser Vorsorge, der Feind, so den Übergang durchdiese Moråste hindern will, sich recht zu postiren weiß, so wird es ihm ein leichtesfeyn, zu wehren, daß einem sein Vorhaben gelinge, weil keine einzige von eurenBewegungen und Wercken seinem Gesicht entgehen können.
Kommen aber diese unwegsame Derter von einem Wald her, dessen Bosden morastig ist, oder es giebet da nur einige trockene Wege, die der Feind vershauen und mit Fuß- Volck besetzet hat, so wird es, unter dem Feuer des Feindes,mit Wegräumung dieser Verhaue gar langsam hergehen, so daß es vieleMannschafft und Zeit kosten dürffte. Daher ist kein ander Mittel, als daßman den ganzen Wald quer hindurch wohl untersuchet, und sich bemühet, einen Durchgang ausfündig zu machen, der entweder von dem Feind unbesettgelassen worden, oder von dem Haupt- Verhau entfernet ist, damit man esentweder auf den Seiten oder von hinten zu angreiffen könne, da es denn leichtfallen wird, denselben aus seinem Posten zu vertreiben; darauf aber ist wei-ter nichts zu thun, als daß man diese abgehauene Bäume auf die Seite schaffe,und solcher gestalt den Marsch der Artillerie- und Neuterey- Colonnen befördere.
Wie aber in dergleichen Fällen der Feind gedachte Verhaue nur mitausgesondertem Fuß- Bolck besett hålt, und sich, mit seiner Armee, in derEbene so nahe postiret hat, daß er zu verwehren im Stande ist, daß mannicht neben einander zugleich heraus rücken könne; so muß man, wenn manin das innerste des Waldes gelanget ist, sich, so viel möglich ist, ausbreiten,auch, wenn es seyn kan, seine Linie über die feindliche Fronte wegragen lassen,hiernächst an verschiedenen Orten grobes Geschütz pflanzen, und in der Ebes40 Erster Theil.
K
ne,