Nachricht von dem Kriege. Cap. LXII.
95durfft und den Proviant beschaffen, wie nicht weniger die Gemüths- Art der-jenigen, so darinnen commandiren. Nach allen diesen Känntnissen richtet erseinen Anschlag ein, und vergiffet gar nichts, was solchen glücklich machen kan.Durch die Verständnisse bey den Armeen erfähret er deren wahren Zustand,die Anzahl und Beschaffenheit der Truppen und des groben Geschüßes, derenÜberfluß an Lebens- Mitteln und Fütterung, ihre Vorsicht auf den Märschen,in ihren Lågern und Wachten. Nach allen solchen Wissenschafften richtet ersein Vorhaben ein und unternimmt was ihm zu vollziehen am leichtestenscheinet, auch gehet es ihm an, wenn er nur die alleweile gemeldeten Gaben besfizet. Uberhaupt kan man sagen, daß derjenige, so den meisten Verstand undDie meisten Absichten hat, sein ganzes Vorhaben am besten angreiffet, aud)alle kleine Hindernisse, die machen könnten, daß ihm sein Anschlag fehl schlugeoder doch verzögert wurde, am besten zuvor siehet, um solche zu übersteigen; darsneben in dem Augenblick, da der Tank angehet, am muntersten ist weil er alleszuvor gesehen, im übrigen aber, bey seinem Abzug, die beste Vorsicht gebrauchet, wenn seine Unternehmung so beschaffen ist, daß er an dem Ort, wo sein An-schlag vollstrecket worden, nicht bleiben kan. In den folgenden Capiteln fin-Det man, was von den verschiedenen Manieren, wie sich bey allen Arten derUberfälle zu verhalten, ins besondere gefaget werden kan, auch soll man keineDarvon aus den Augen sehen, sondern vielmehr alles hinzuthun, was etwa diegesunde Vernunfft an die Hand geben kan, und in diesem Discurs nicht hat zuvor gesehen werden mögen.
Cap. LXII.
Das zwey und sechzigste Capitel.
Von Uberfallungen der Festungen.
In befestigter Ort wird sehr selten, durch einen Überfall mitdem Degen in der Faust, entweder vermittelst einer Über-steigung der Mauermit Sturm- Leitern, oder mit Petarden, oder aber auf eineandere Manier von der Art erobert. Gleichwohl aber kan man sagen, sie seyüberfallen worden, wenn sie berennet wird entweder zu einer Zeit, da deren Befagung, einer Verrichtung halber, herausgezogen und mithin gar sehr geschwachet worden, oder die Besagung ist sonsten schwach, weil Seuchen darunterherumgehen, oder es mangelt an Kriegs- Nothdurfft und Proviant, oder derEntsas ist allzuweit darvon entfernet, oder kan unmöglich entsetzet werden, oderwird auch zu einer solchen Zeit angegriffen, da alles, was zu einer tüchtigenGegenwehr erfordert wird, darinnen fehlet, und zwar bey sothanen Umftansden, die man nicht zuvor gesehen hat. Daher werde ich hier keine andere Masnieren vorschlagen, wie man eine Feftung überfallen foll, als diejenige, darvonich alleweile geredet habe und die mit unter die Fälle gehören, da man sagen
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