Nachricht von dem Kriege.
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Cap. LXXV.sehen, ob sie gleich nicht eingehoben worden, so gar, daß sie gegen diejenigea, welche das feindliche Land, zur Zeit der Friedens Handlung, nochschuldig ist, abgerechnet werden sollen. Diesemnach mögen die Linien, zur Be-freyung von der Contribution, wenig oder gar nichts helffen oder nutzen. Derandere Grund, nehmlich das feindliche Land desto leichter in Contribution zufehen, ist nicht gut: allermassen ja nicht die Partheyen, so aus den Linien ge-hen, die Contributiones anlegen, sondern vielmehr die aus den FestungenFommen.
Die dritte Ursach, nehmlich daß man desto leichter von einem Ort zu demandern kommen könnte, hat etwas grössern Schein, in Ansehung der besondernUmstände derjenigen, so allein gehen wollen; allein im Grunde, wenn es wegenSicherheit der Convoyen geschiehet, so ist diese Leichtigkeit nur scheinbar: dennreenn der Fürst rechnen wolte, was die Contribution und die Unterhaltung diesfer Linien seinem Land kosten, und wie viel Truppen solche ihm wegnehmen, siezu bewachen, so bin ich gewiß verfichert, daß er finden würde, daß diese Völcker zuVerwahrung seiner Festungen, zu Geleiten bey den Convoyen und bey den Ar-meen weit nüßlicher, als zu Bewachung der Linien, angewendet werden könnten,ja wenn er sich Bericht erstatten ließ, was diese Linien seinem Land anzulegen ge-foftet, so würde er noch darzu sehen, daß diese Summen ein weit mehrers austrů-gen, als die Contributionen, die das Land freywillig bezahlet hätte.
Das sind also die ersten Ursachen, den Gebrauch der Linien einzuführen,und dasjenige, was ich wider diese Gründe einwende, scheinet mir hinlänglich,dieselben über den Hauffen zu werffen, ob ich wohl keine Exempel hier anführe,welche dasjenige rechtfertigen, was ich wider die Linien vorstelle.
In den beyden letztern Kriegen hat man die Linien noch auf eine dritte Artangewendet, bey welchem Gebrauch ich mich aber nicht weiter aufhalten werde,als nur zu zeigen, was schlimmes daran ist. Man hat nehmlich eine neue Versfaffung von einem Defenfiv- Krieg hinter Linien von einem groffen Umfang Lan-des machen wollen, und die Erfahrung hat gezeiget, daß solche Verfassungunrichtig und falsch sey, welche Unrichtigkeit in zweyen unstreitigen Punctenfrecket.
Eine Armee, so hinter den Linien stehet, kan von dar nicht zugleich, sondernnur nach einander und in einer langen Neihe von dar herausrücken, und mithin istder Feind, welcher sich denselben nähert, in allen seinen Bewegungen dergestaltfrey, daß er diese auf so eine verwegene Art anstellet, als es ihm gefället, ohne einisgen verdrüßlichen Zufall dabey zu befürchten.
Hiernächst ist eine Armee in den Linien niemahls beysammen, weil sie eineallzugroffe Fronte zu bewahren hat; wann nun aber der Feind, ohne daß seinegegenseitige Parthey etwas darvon weiß, entweder durch eine Bewegung, so ihm
Die