92 Historische und Militarische Nachrichten.
Cap.VII.
daß man dem Prinzhen von Oranien, wegen seines verschanzten Lagers beyLüttich, einige Beyforge erwecken müste. Daher licß er den Marquis deHarcourt, welcher das Luxemburgische und die Nieder- Maas, mit einemFleinen Corps Reuterey, bedeckte, wieder nåber kommen, auch in Namur viesles grobes Geschütz, Kriegs- Nothdurfft, oder Grabe- Zeug in Bewegungbringen, und an diesem Ort eine grosse Menge Brod backen. Darauf ver-ließ er sein Lager bey Meldert, und rückte mit seiner ganzen Armee bis un-weit Lüttich, recognofcirte hiernächst die Verschanzungen, und ließ so gareine wichtige Anzahl Faschinen machen, nicht anders als wenn er sich dererselben, zu dem Angriff erwähnter Berschanzungen, bedienen wolte. Im-mittelst glaubte der Print von Oranien, dem alle Bewegungen, die man zuNamur machte, fattsam bekannt waren, daß Mr. de Luxembourg das ver-schanzte Lager bey Lüttich würcklich angreiffen wolte, daher verließ er seinLager bey Parc, damit er dem Herzog von Luxembourg von weitem nach-gehen, und darauf bey der Hand seyn möchte, in das Lüttichische Lager nocheinmahl so viel Truppen, als bereits darinnen waren, hinein zu werffen, undDieses Corps, vermittelst des Demers ohne Gefahr dahin marschiren zu lassen.
Indem nun Mr. de Luxembourg Nachricht erhalten, daß der Feindauf ihn zu marschirte, und ein Detachement nach Lüttich abgeschicket hätte,so richtete er seine Bewegungen, vor diesem Ort, auf so eine Art ein, daß erkonnte versichert seyn, der Prinz von Oranien würde seine Armee geschwächethaben, ehe er sein Vorhaben zu schlagen in das Werck richtete. Inzwischenhielt sich der Print von Oranien, der wohl spürete, daß er dem Marschallde Luxembourg an Truppen sehr überlegen, sich auch begnügete, daß erneue Volcker, in das verschanzte Lager bey Lüttich, rücken lassen, mit seinergantzen übrigen Armee dergestalt, daß er mit seinem rechten Flügel an dieGetthe, und mit dem lincken an Romsdorff, längst dem Bach Landen, stund,das Dorff Neerwinden aber vor sich hatte. Ja er schickte so gar den Prinhen von Würtemberg, mit einem Corps von zehen bis zwölff tausend Mann,ab, daß er in unsere Linien bey Courtrai dringen, und unsere Herrschafftenin Contribution feßen solte, weil er nicht glaubte, daß Mr. de Luxembourgan ihn kommen, und ihn in dem Posten, den er sich ausgesuchet hatte, an-greiffen könnte.
Nachdem also Mr. de Luxembourg mit den Bewegungen, die derPrinz von Oranien, aus einer Bermessenheit, die ihm die Ober- Macht sei-ner Bölcker bengebracht, alleweile gethan hatte, sehr zufrieden war, so dachteer auf nichts anders, als wie er gemeldeten Prinzen in seinem Lager, wo ersich in guter Sicherheit glaubte, das Herz noch grösser machen wolte, ohn-erachtet er doch fest beschlossen hatte, daß er ihn darinnen angreiffen wolte.
Er