100 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.
fänglich für ihn allenthalben so wohl abgelauffen, als die geringste Absichtseines vorhabenden Offenfiv- Kriegs betrachtete, gar leicht einnehmen, sondernauch Sufe und Savoyen wieder erobern, und den Krieg, noch selbigen FeldeZug, so gar in gant Dauphiné, und bis an die Thore zu Lyon versetzen wolte.Nachdem ich nun erzehlet, wie der Krieg in Piemont, felbigen Feldzug,überhaupt beschaffen gewesen, so muß ich solchen nunmehro umständlicher beschreiben, damit ich alle Fehler, die dabey, wieder die Regeln der beyderleyArten des Kriegs, nehmlich des Defenfiv- und Offenfiv- Kriegs, sind begangen worden, desto besser zu erkennen gebe.
Als ich in dem ersten Theil meiner Nachrichten von dem Defenfiv-Krieg geredet, so habe ich Regeln gegeben, wie derfelbe, nach der verschiedenen Beschaffenheit des Landes, auf unterschiedene Art geführet werden soll.Gleichwie aber diese Regeln allgemein sind, und ich hier über diese MaterieAnmerckungen zu machen im Begriff bin, so weit mir nehmlich die Umstände des Kriegs in Piemont darzu Gelegenheit geben, so will ich den Zustand,darinnen des Königs Sachen auf selbiger Seite waren, gang umständlichund genau vorstellen, damit ich meine Anmerckungen desto vernehmlichermachen, und solche mit tüchtigen Gründen bestärcken möge.
Der Konig war Herr von Savoyen und der Grafschafft Nizza, erhatte eine gute Besatzung in Cafal, und besaß Sufe unten an dem Mont Ce-nis, und Pignerol am Ende des Thals von Pragelas, bey dem Eingang indie Ebene von Piemont. Diesemnach folte man seinem vorhabenden De-fenfiv- Krieg eine folche Gestalt geben, damit man die Festungen jenseit desGebürges zwar beschirmen, jedoch aber auch zugleich Provence und NiedersDauphiné vor den feindlichen Streiffereyen bewahren könnte: denn vernünfftiger weise hatte man, in felbiger Gegend, von Seiten der Feinde kein Un-ternehmen zu befürchten, dadurch sie, wenn es ihnen schon gelunge, in den Standgesetzt würden, es so weit zu bringen, daß sie disfeit der Alpen, auf eine besstandige Art, festen Fuß faffen mögen. Der König hatte in Pignerol undhinten über den Alpen eine mächtige Artillerie zu Belagerungen, und alleKarren, so wohl zu dem Dienst der Artillerie als auch des Proviants, dieman in den vorigen Feldzugen gebrauchet hatte, waren ebenfalls in gedachtem Pignerol. Ausser dem hatte der König in felbigen Gegenden weit mehrFuß- Volck als die Feinde. Und so sabe es mit unserm Zustand aus; derFeinde ihrer aber war so beschaffen, wie ich gleich iego vermelden werde.
Sie konnten, in der ganzen Ebene von Piemont, nach ihrem Gefallen,herum spazieren, indem wir, vermöge unsers Borhabens defenfivè zu gehen,dahin nicht zu rücken begehrten. Sie waren angeführter massen stärcker anReuterey, hingegen viel schwächer an Fuß- Volck. Diesemnach hätte man
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