118 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.
Dauer halber, gesichert gewesen wäre. Nachdem also unsere Feinde beynahe achtzehen Monathe lang Truppen angeworben, und alle nöthige Anstalt,die Staaten der Spanischen Monarchie aller Orten anzugreiffen, unter sichgemacht hatten, so kündigten sie uns den Krieg an, und giengen so fort selbstoffenfive; und ob wohl solcher, in Italien, eine Zeit lang mit einiger Gleichheit ausgehalten ward, so sabe es doch hingegen, am Rhein und an der Waas,damit sehr ungleich aus.
Nunmehro will ich auf die Betrachtungen kommen, die über die vierteArt des Kriegs zu machen sind, wenn nehmlich ein Fürst über sich nimmt,feinem Bunds Genoffen mit Hülffe zu statten zu kommen. Ich sage demnach, daß diese Art von Kriegen auf verschiedene Manieren, und unter mancher-ley Fürwand geführet wird: und dieses geschiehet entweder vermöge der Tractaten, so vorhero sind aufgerichtet worden, oder krafft eines Vergleichs, denein Fürst, aus Ursachen eines gegründeten Argwohns, oder wegen seines In-tereffe, wieder eine ehrgeizige Herrschafft, einzugehen gezwungen worden,oder aber vermittelst der Hülffe, die man seinem Bunds- Genossen, nach derArt wie es in dem Tractat verabredet worden, entweder an Truppen oderGeld, oder an Kriegs- Nothdurfft oder Proviant, leistet, oder endlich durchDiverfion wieder die angreiffende Macht, oder die Alliirten desjenigen, so denAnfall gethan hat.
Damit ich nun untersuche, wie die Hülffs- Kriege, so ich zu meiner Zeitführen sehen, beschaffen gewesen, ingleichen was es mit den Gründen dazufür eine Bewandniß gehabt, und wie solche geendiget worden, so will ich sasgen daß der erste, welchen ich habe führen sehen, derjenige gewesen, als derKonig den Holländern ein Corps Hülffs- Truppen zuschickete, daß sie ihnen,wieder den Bischoff von Münster, der sie auf der Seite von Ober- Vffel beunruhigte, dienen solten, indem man dem Hause Desterreich, welches Franckreich und Holland von Alters her feind war, keine Zeit lassen wolte, sich in die-fen Streit zu mengen. Dieses war also die bewegende Ursache der Hülffe,welche man unsern Bunds- Genoffen, den Holländern, zuschickete, auch that selche ihre Würckung in so gar kurzer Zeit, daß sie den Bischoff von Münster,Bernhard von Galen, nöthigte, mit Holland, in aller Geschwindigkeit, Friede zumachen. Solcher gestalt ist dieser Krieg, vermöge der vorher gegangenen All-liang Tractaten, zwischen Franckreich und Holland, geführet, wie nicht wesniger auch um deswillen, damit dem Kayser so geschwind, als es seyn konnte, dieGelegenheit sich darein zu mischen benommen werden möchte; welches er aufser Zweiffel würde haben thun wollen, um einen scheinbaren Fürwand zu über-kommen, sich mit seinen Truppen den Catholischen Niederlanden zu nähern, oh-ne daß er dem Münsterischen Tractat zu wieder handelte.
Das