120 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.
daß er den Venetianern, so der Türck unterdrückete, freywillig zu HülffeFam.
Die grosse Hülffe, welche der Kayser, die Spanier, und der Churfürst vonBrandenburg, im Jahr 1672. den Holländern leisteten, rührte aus einem neidisschen Eifer über die grosse Französische Macht her, und auf Seiten des Kayserssahe man das Intereffe an, vermöge dessen er Holland nicht wolte laffen überDen Hauffen werffen, weil er dafür hielt, daß ihr Untergang den Verlust derCatholischen Niederlande, so dem Spanischen Hause Oesterreich zuständig,nach sich ziehen würde. Diesemnach hat dieser Hülffs- Krieg den billigenArgwohn, welchen man wegen eines Fürsten, der immer erobern will, zu schöpf-fen pfleget, zum Grunde gehabt, und ist auch, nach den Regeln dieser vierten Artvon Kriegen, mit allem Recht unternommen worden.
In dem gegenwärtigen Kriege, welcher im Jahr 1701, seinen Anfanggenommen, haben die Potentaten und Herrschafften, welche sich wieder diebeyden Cronen verbunden, bey nahe alle mit einander verschiedene Absichtengeheget. Der Kayser hat, wegen seines Teutschen Hauses, ein persönlichesIntereffe daran, massen dieses der Erbfolge, welche es in den Staaten derSpanischen Linie haben will, allerdings beraubet worden. Das Reich unddessen Fürsten, die Engelländer, Holländer und Portugall helffen dem Kayser,und haben keine wahren Ansprüche auf einigen Theil der Spanischen Mo-narchie. Daher es denn offenbar ist, daß dieser Hülffs Krieg, auf ihrerSeite, keinen andern Grund hat, als daß ihnen der Wachsthum des Franssösischen Hauses verdächtig und gefährlich scheinet, daferne man zulieffe, daßalle Spanische Länder, in Philippi V. Person ruhig zusammen kámen unddarinnen vereiniget blieben.
Im übrigen will ich meine Anmerckungen über die verschiedene Artender Kriege, mit den innerlichen, welche die fünffte Art darunter sind, allhierbeschliessen.
In dem vorigen Jahrhundert hat man deren zwey grosse, in Franck-reich, gehabt, davon ich doch nichts gedencken werde, weil selbige, und zwareiner ehe ich gebohren worden, der andere aber in meiner Kindheit, ein Endegenommen haben.
Der erste, welchen man den Krieg von Rochelle benahmet, hatte zuseinem Ursprung den Ehrgeiz der Groffen, so durch die Feinde des Staats un-terhalten ward, wie nicht weniger die Schwachheit der damahligen Regiesrung, und denn auch den scheinbaren Vorwand, daß man einigen Artickelndes Friedens- Tractats, wegen der Religion, so man das Edict von Nantesgenennet, zuwieder gehandelt hätte.
Der andere, den man den Krieg der Pringen geheissen, hat nicht die
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