Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VIII. 127
daß solche, nach einer guten Politic, zum wenigsten so viel als es in geheimgeschehen mögen, vor derselben hergehen sollen, so scheinet es allerdings zu versmuthen, daß das Reich, aus Furcht es möchte unterdrücket werden, ehe esZeit sich zu rüsten hätte, sich gegen Franckreich nicht würde erkläret haben,Dahingegen solches mittler Zeit, da man bey uns auf die erforderte Werbungen bedacht war, Musse genug bekam, seine eigene vor die Hand zu neh
men.
Diesemnach folte der Friedensbruch mit dem Kayser, den man, durchDie Eroberung Philippsburg, begieng, nach einer guten Politic, ebenfallsnur eine kluge Vorsicht wieder diesen Fürsten seyn, indem man gar wohl zu-vor sahe, daß solcher, so bald er nur mit dem Türcken- Kriege fertig wäre, unsüberziehen würde, um uns zu nöthigen, daß wir dem Reiche Straßburg zusrück geben, und unsere Reunionen einstellen müsten. Allein es war nichtweislich gehandelt, daß man das ganze Reich unwillig machte, indem manohne einigen Grund Contributiones begehrte. Man hätte also das gesaminteReich nicht zwingen sollen, aus dem besondern Streit, welchen wir mit demKayser hatten, als der durch die Eroberung Philippsburg allein beleidigetworden, einen allgemeinen Reichs- Krieg zu machen. Hätte der König, nachdem er diesen Ort geschleifet, seine Truppen wieder zurück gezogen, so ist offensbar, daß dieser Zug, durch welchen man sich gegen die künfftigen Absichtendes Kaysers versichern wollen, niemahls zuwege gebracht, daß das Reich mitFranckreich gebrochen hätte.
Nach dem Ryswickischen Frieden, der im Jahr 1697. erfolgte, erforsDerte eine gute Politic, daß der König mächtig gerüstet blieb, und, vor allemandern Aufwand, so viel Truppen, als ihm zu unterhalten möglich war, aufden Beinen behielt: allermassen das tägliche Abnehmen der Gesundheit dererKönige in Spanien und Engelland, welche man augenscheinlich sahe auf derGrube gehen, und daher leicht zuvor wiffen konnte, daß deren Tod in der all-gemeinen Beschaffenheit der Europäischen Sachen unfehlbar eine grosse Veranderung verursachen würde, ihn hatte bewegen sollen, daß er, vor allen Dinsgen, gerüstet geblieben wäre. Gleichwohl danckte man, dieser wohlgegrün-deten politischen Ursache ungeachtet, eine grosse Anzahl Truppen zur Unzeitab, davon die meisten alten Soldaten nach Teutschland giengen, wo sie indes Kaysers und anderer Reichs- Fürsten Diensten umgekommen sind: dennan statt daß man selbigen in dem Königreich ihren Abschied geben sollen, sogeschahe diese Abdanckung in den Grenz- Festungen.
Das sind also die Fehler, welche ich, in Ansehung der allgemeinenAnstalten und Projecten zum Kriege, welche vor dessen Ankündigung undAntritt hergehen sollen, in Franckreich habe begehen sehen.
DAS