Historische und Militarische Nachrichten. Cap. X. 131
Orts nichts anders als dem Mangel der Känntniß des Landes beyzumessensey, so will ich dennoch zeigen, worinnen die Falschheit des damahligen Pro-jects zu einem Defenfiv- Krieg, in Ansehung des Delphinats, bestehe, welcheDie Kanntniß des Landes niemahls wieder zu recht bringen kan.
Piemont ist eine Tiefe, um deren Helffte die Alpen sich in die Lufft ersheben, verfolglich hat derjenige, so in selbiger Tiefe ist, und von dar herausund auf die andere Seite hinüber will, von einer Gegend der Tiefe nichtweiter zu gehen, als von der andern. Solcher gestalt muß der General, welschem diese Defenfive anbefohlen, für diese ganze halbe Runde gleiche Sorgfalt tragen, welches denn Ursach ist, daß er allenthalben, wo der Feind zuerst ansezet, schwächer ist, bevorab da folcher Anfall, auf feindlicher Seite,stets allgemein, und mit falschen Angriffen, die von seiner wahren Absicht weitentfernet, listiglich bedecket seyn wird. Ja es ist auch gleichsam unmöglich,daß diese Schwäche nicht von langer Dauer sey, indem, wegen der Beschaffenheit des Landes disfeit der Alpen, viele Tage erfordert werden, wennman Truppen, so um solche Tiefe herum gestellet, zusammen bringen will.Über dies machet die überaus grosse Menge der engen Wege und Durchgange in den Gebürgen, nach Zerschmelzung des Schnees, den Eingang daselbstDemjenigen, so auf der Seite von Piemont hindurch will, stets leicht, dieSchwurigkeit aber, sich diesem Vorhaben zu wiedersetzen, bey nahe unüberswindlich. Diese Wege gehen fast alle mit einander aus einem Mittel- Punct,welcher die Ebene von Piemont ist, und haben doch auf dieser Seite lautersolche Ausgänge, welche von einander sehr weit entfernet liegen. Dieses machtalso, daß die verschiedene Hauffen Truppen, so man von einander trennenmuß, sich zum wenigsten, an den Orten, wo man am leichtesten durch kommen mag, bestens zu wiedersetzen, gar zu weit von einander stehen, und dasher nicht anders, als mit sehr gresser Schwürigkeit, zusammen gelangenFönnen.
Im Jahr 1708. hat man den Entschluß gefasset, auch ohne die FestungSufe fich mit einem Defenfiv- Krieg zu behelffen, und diesen ist auch in selbiger Gegend nachgegangen worden. Ja man hat hierzu so gar einen Generalgebrauchet, der von dem Lande nicht die mindeste Känntniß hatte. Über dieSorgfalt, so er für die Provence und das Unter- Delphinat zu tragen hatte,muste er auch für Savoyen, darinnen keine Festungen waren, wie nicht weniger für die Ober- Rhone, besorget seyn, und zwar so lange, als man glaubte,daß der Herzog von Savoyen daselbst durchdringen wolte, weil er einen sehrstarcken Hauffen Reuterey hatte, welcher zu Unternehmungen in den Gebürsgen würde undienlich gewesen seyn.
Nachdem solche billig zu tragende Fürsorgen auf diese Maasfejnun ziem
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lich