138 Historische und Militarische Nachrichten. Cap.X.
Hatte anno 1704. der Churfürst von Bayern und der Marschall deMarfin, nach der unglücklichen Schlacht bey Hochstädt, alle Vortheile derLage von Ulm wohl gekannt, würden sie diesen Ort nicht verlassen haben.Die Armee des Marschalls de Villeroi hätte daselbst zu ihnen stoffen können,falls die Feinde, nach dem Gewinn dieser Schlacht, sich vorgenommen inBayern einzudringen, ja sie würden im Stande gewesen seyn, in Teutschland,wenigstens bis nach Ulm, sich zu erhalten, und des Königs Sachen, jenseitdes Rheins bis an den Neckar, da wiederum aufzurichten. Bey dem all-gemeinen Entwurff dieses Kriegs in Teutschland hatte die Känntniß der Beschaffenheit des Landes den Churfürsten bewogen, die Stadt Ulm wegzunehmen, weil es ein nöthiger Posten an der Ober- Donau wäre, sich der Com-munication mit Franckreich zu versichern. Wann nun dem also, so hätteman sich ja bey diesem Posten erhalten sollen, nachdem die Gelegenheit geakommen war, den begehrten Nuhen davon zu erlangen.
Wenn der Marschall de Villeroi, im Jahr 1706. sich der Känntniß,welche er von dem Posten bey Ramilly hatte, bedienen wollen, konnte er, ohneBensorge, Truppen von seinem lincken Flügel wegnehmen und seinen rechtendamit verstärcken, nachdem er sahe, daß der Feind von seinem rechten Flügel Volck wegnahm, und seinen Haupt- Anfall auf seinem lincken thun wolte.Dieser General, der, bey Ramilly, eigentlich zu reden nichts, als die Wahlstatt, verlohren hatte, konnte sich der Stadt Loven, der Bedeckungen derDille, der Schelde und der Lys nüßlich gebrauchen: alle diese Gegenden undgute Posten waren zur Gnüge bekannt, wenn nur das Gemüth ruhig genuggewesen wäre, daß man alle Vortheile, so man dadurch erlangen mögen, inBetrachtung hatte ziehen können.
Håtte in eben dem Jahr Mr. de la Feuillade die Ebene in Piemont,und den Fuß der Alpen, besser gekannt, so würde er sich nicht aufgehaltenhaben, und dem Herzog von Savoyen, der mit seiner Reuterey aus Turingegangen, zwey ganger Monathe vergebens nachgelauffen seyn. Und ob ergleich diesen Fürsten endlich bis an den Eingang des Lucerner- Thals gebrachthatte, so würde er doch dem König nicht so unvernünfftig, als von ihm gesfchehen, berichtet haben, er hätte den Feind, mit seiner Reuterey, in einemBande nunmehro dergestalt im Sack, daß er ihm ferner nicht entgehen könnte,sondern er würde fein gewust haben, daß keine Thaler, so an Piemont ftoffen,gefunden werden, da es nicht viele brauchbare Fuß- Steige gebe, wodurchman in die benachbarten Thäler gelangen könnte, und also der Herzog vonSavoyen, aus dem Lucerner- Thal, entweder auf der rechten oder auf derlincken, nachdem er solches ihm zuträglich erachtete, heraus kominen, und sichvon dem Herrn de la Feuillade, der vor ihm stund, los machen würde.
Hätten