150 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XIII.
Feind, der ziemlich nahe stund, und leicht etwas unternehmen konnte, die Seiteblos gab. Gleichwie ich aber bereits anderwärts gesaget habe, was derFeind hierbey für Vorſichten gebrauchen sollen, damit er in die Beschwerlichkeit, darein er gerieth, nicht verfallen möchte, so will ich solches hier weiternicht berühren, sondern mir es genug seyn lassen, wenn ich anmercke, daßein Lager stets so geschlagen werden muß, daß die Armee darinnen, in allenihren Bewegungen, frey sey, weil es auffer dem grossen Ungelegenheiten unterworffen seyn kan, zumahl wenn es nahe bey dem Feind ist genommenworden.
In eben dem Jahr 1694. finde ich Gelegenheit eine Vergleichung anzustellen zwischen diesem Lager bey Seneff und des Marschalls de Turenne sei-nem bey Marle. Dieser General war ungemein weit schwächer, als der Chur-Fürst von Brandenburg, der ihn zwingen wolte, entweder Elfaß zu verlassen,oder mit Nachtheil zu fechten. Gleichwie aber der Marschall de Turenneweder zu diesem noch jenem Luft hatte, so gab ihm seine grosse Fähigkeitdienliche Mittel an die Hand, Elsaß, durch kühne Stellungen, streitig zu machen, wiewohl er sich deswegen in keine Gefahr feste, weil er sich stets auf soeine Art anstellete, daß er sich sicher zurück ziehen und einen neuen Posten ein-nehmen konnte, ohne daß er zu befürchten hatte, daß er auf seinem Marschangegriffen werden möchte, auch hielt er sich immer dergestalt in der Nähe,daß es nicht anders schiene, als wenn er noch selbigen Tag treffen wolte, welsches jedoch der Churfürst von Brandenburg bis auf den andern Tag verschob,weil er alsdenn erst ein Treffen angehen wolte, wenn er unserer Armee nahegenug wäre. Allein um eben diefe Zeit wolte ihn der Marschall de Turennebringen, er hingegen bediente sich derselbigen so wohl, daß er sich gleich miteingefallener Nacht zurück zog, und einen andern Posten einnahm. Solchergestalt überließ er dem Churfürsten nichts als ausgezehrtes Land, und gewann,vermittelst dieser Art ihm das platte Land in Elsaß streitig zu machen, so vielZeit, daß, ob er gleich viel schwächer war, er den Churfürsten von Brandenburg dennoch dahin brachte, daß es ihm unmöglich fiel, etwas gegen des Königs Festungen vorzunehmen, welches dieser Fürst gewißlich nicht würde unterlassen haben, daferne ihn der Marschall de Turenne nicht auf so eine Artherum geführet, wie er es zu thun wuste, und selbigen nicht um die übrigeZeit von dem Feldzug, die er zu seinem Vortheil anwenden können, solcher gesstalt gebracht hätte.
Dieses Erempel erweiset zur Gnüge, daß ein gewandter General fichdie Stunden und Augenblicke, die ihm sein Feind, der nicht so geschickt, alser, ist, darbietet, gar hübsch zu Nuß zu machen weiß, und daß in die Längesolche Stunden und Augenblicke, wenn sie zusammen genommen werden,
ihm