154 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XIII.
Volck von der Armee des Marschalls de Luxembourg um den Half bringenwolte; nichts desto weniger aber ward alles diefes, nach einem langen Wiederstand, mit Gewalt erobert, und er bussete dabey fast sein ganzes Fuß- Volck,viele Reuterey, und seine gesammte Artillerie ein.
Wie ich aber, über diese grosse Schlacht, meine besondere Anmerckungen machen werde, wenn ich von den Schlachten werde zu reden haben, sowill ich hier weiter nichts anführen, als was die Wissenschafft der Lager angehet. Das bey Nerwinden war, auf der Fronte, so beschaffen, wie ich allesweile gefaget habe, scheinet auch einem von einer mittelmäßigen Fähigkeit inder That gut, weil er sich einbildet, daß die Sicherheit der Fronte und derFlügel mehr als hinlänglich ist, ihm den Vortheil zu verschaffen, daß er, beydem Angriff dieser Fronte, das Fuß- Volck seines Feindes ruiniren könne.Allein man beliebe nur achtung zu geben, was dieser Posten für Fehler hatte.Es mangelte demselben, wegen eines Morasts, der um eine Krumme, so dieGetthe hinter dem Lager machte, herum gieng, der Plas dergestalt, daß dieReuterey von dem rechten Flügel auf vier oder fünff Linien in Schlacht- Ord-nung stund, auch waren diese so gar enge beysammen, daß sie zwischen ihnennicht Raum genug fanden, ihre gewöhnliche Bewegungen zu vollbringen. Sewaren auch diese Reuterey- Linien bey den Zaun, welcher gedachter massen vonDer Getthe bis an das Dorff Nerwinden gieng, nicht nahe genug gestellet,viel weniger von einigem an dem Zaun hingelegten Fuß- Volck, auf so eineArt, beschirmet, daß es die Reuterey von des Königs Armee abhalten können,sich demselbigen zu nähern und sich Wege hindurch zu machen. Wie nundas Centrum nicht mehr Raum, als der rechte Flügel, batte, so war manauch nicht vermögend gewesen, zu der Bedeckung des Fuß- Volcks, eine Linievon Reuterey zu formiren, daferne solches aus dem Dorffe Nerwinden undvon der verschanzten Fronte vertrieben werden solte. Uber dies war der linckeReuter- Flügel, der weder Fronte hatte, sich auszubreiten, noch auch, wegenMangel des Plates, sich hinter das Fuß- Bolck auf eine Linie sehen konnte,recht krumm, wie eine Sieben, gestellet worden, so daß er unnüßer weise gesgen den Bach bey Landen stund, und an das Fuß- Boick nur auf der rechtenSeite stieß.
So bald sich nun also das Fuß- Volck von des Königs Armee des DorffsNerwinden bemeistert hatte, und die leichte Reuterey von dem rechten Flügel in der Gegend eingedrungen, wo nur Artillerie- Wagen, zu Verwehrungdes Eingangs, hingestellet waren, weil man entweder nicht Zeit gehabt, daeine Verschansung aufzuwerffen, oder daß der Print von Oranien sich dieseziemlich weite Deffnung dazu sparen wollen, damit er seine Reuterey auf dasFranzösische Fuß- Volck losgehen lassen könnte, wenn solches, durch das starcke
Feuer