Historische und Militarische Nachrichten. Cap.XIII. 153
felben wegreichen kan. Und in diesem Fall wird es ganz unmöglich, an einen ehrlichen Abzug zu gedencken, sondern es bleibet da kein anderer Entschluß zu fassen übrig, als daß man sein Heil in einer schändlichen Flucht suschen müsse.
Als der Prinz von Oranien fich, in dem Jahr 1693, bey Nerwinden geslagert hatte, hielt er diesen Posten für so gut, daß er den Marschall de Luxemsbourg, der ankam und ihn angreiffen wolte, darinnen erwartete. DieserPosten aber war auf folgende Art beschaffen. Die Getthe formirte dessen rechte,der Bach bey Landen die lincke, und die Fronte auf der rechten war mit ciner dicken Hecke bedecket, welche ganz nahe bey der Getche ihren Anfangnahm, und bis an das Dorff Nerwinden fortgieng, das auf dem MittelPunct dieses Lagers war. Hinter gedachtem Dorff befand sich eine Höhe,welche immer niedriger wird, und bis an das Dorff Romsdorff gehet, so andem Bach bey Landen gelegen war. Ja es fand sich auch da so gar ein hoh-ler oder ausgewaschener Weg, der von dieser Höhe hinunter bis an erwähntes Dorff Romsdorff reichete. Der Prinz von Oranien glaubte daher, daßman diese Fronte leicht in den Stand setzen könnte, daß sie gar nicht anzusgreiffen wäre. Zu dem Ende ließ er in der Nacht, welche vor der Schlachthergieng, das Dorff Nerwinden verschanzen, und legte viel Fuß- Volck dahin.Neben dem pflanzte er viele Stücken auf den Hügel, welcher höher war alsdas Dorff, und der lincke Flügel seiner Armee, den Überrest feines Fuß- Volcksvon der ersten Linie aber stellete er hinter diesen Fluß und längst demselben hin,welcher von mehrgedachter Höhe bis an Romsdorff gieng, wie er denn in ichtsgemeldetes Dorff ebenfalls einiges Fuß- Volck that.
Der mühsame und schwere Marsch des Fuß- Volcks von der Königlichen Armee, welche aus der Gegend Lüttich herkam, gab hierüber dem Prinßen von Oranien Anlaß zu vermuthen, daß der Marschall von Luxembourg,nach Ankunfft erwähnten Fuß- Volcks, sich nicht unterstehen dürffte, eine aufsolche Maasse zubereitete Fronte anzugreifen. Immittelst gestattete die Klugheit keines weges, daß dieser Fürst, welcher von dem Hauffen Volcks, so er,unter dem Commando des Herzogs von Würtemberg, nach Flandern abgehenlaffen, und einem andern, welches er zur Verstärckung des verschanzten Lagers bey Lüttich abgeschicket, ganz entblöfset war, ein allgemeines Treffenwagen solte: allein die scheinbare Sicherheit dieses Posten überwog damahlsDie Klugheit. Der Prinz von Oranien wolte sich einer Zeit, die mehr alshinlänglich war, hinter seinem Lager über die Getthe zu gehen, und sich dadurch der Gelegenheit zu einem allgemeinen Treffen zu entziehen, auf keineArt bedienen, sondern er stund in den Gedancken, daß er, bey dem Angriffdes Dorffs Nerwinden und seiner verschanzten Fronte, das gesammte FußZweyter Theil.นVolck