Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XV. 163
damit er verwehrte, daß die Feinde, mit allen natürlichen Schwürigkeiten,die sie hatten, nicht ohne Unterlaß Convoyen aus Oftende bekämen. Auchwürde er sich, bey Winendal, von einem Corps, das viel schwächer, als seines,war, nimmermehr haben schlagen lassen, sondern lieber Convoy und Geleitvernichtet haben, daferne er etwas aufmercksamer gewesen wäre, als es ge=schehen ist. Er wuste ja, daß die Feinde unumgänglich nöthig hatten, ihreKriegs- Nothdurfft aus Oftende zu holen, wenn sie die Belagerung vor Rysfel vollenden wolten. Warum hat er sich denn nicht, mit Beyhülffe des FortPlaffendael, mit einem wichtigen Corps, näher bey Oftende gesezet? Und auswas für Ursachen ist er von Plaffendael bis nach Nieuport nicht beständigaufmercksam gewesen? Weswegen hat er gestattet, daß sich die Feinde zuLeffingen fest setzen konnten? Warum hat er die dasige Brücke nicht vorherzerstöhret? Und da er bewehrte Schiffe zu Nieuport batte, weshalber hat erauf dem Canal und der Überschwemmung ein einziges Schiff, von was füreinem Bau es auch seyn mögen, gedultet? Auf allen diesen Mangel behörigerAufmerksamkeit ist nun die Einbüssung der Festung Ryssel erfolget. Jedochhatte vor solcher der Verlust des Treffens bey Winendal den Vorgang ge-habt, und weil dieses eine von den Haupt- Ursachen gewesen, daß Syssel verslohren gegangen, so will ich hier einige besondere Umstände davon anführen.
Die Feinde kamen, durch Vorschub aller dieser Unachtsamkeiten, nochvor der Ausfahrt der grossen Ostendischen Convoy, die man zwischen Oftendeund dem Canal ruiniren können, sehr vieler Schwürigkeiten ungeachtet, nachWinendal. Der Graf de la Mothe war, mit sechs und dreyßig Bataillons undzwey und sechzig Escadrons abgegangen, in der Absicht, daß er ihre Convoyangreiffen wolte. Inzwischen kan man nicht sonder Mühe begreiffen, wesswegen er lieber feinen Marsch über Odembourg und längst dem Canal bisfast bey Ghiftel, so ein sehr enges und durchzogenes Land ist, genommen, alsdaß er die grosse Strasse von Brügge nach Winendal gezogen, allwo dasLand mehr offen ist. Als er nun endlich in dem Gesicht der Feinde ange-kommen, so hat er selbige angegriffen, ob solche gleich in dem Minendaler Gehölze stunden, grosse und dicke Zäune vor sich hatten, und auf ihren Seitenmit Fuß- Volck versehen waren. Gleichwie aber seine vornehmste Absicht da-hin gienge, wie er die Convoy vernichten wolte, so durffte er nur um dasHolz, welches sehr klein war, herum gehen, so wäre er auf erwähnte Convoygerathen, und hätte solche leicht ruiniret, darauf er denn wieder auf das Ge-leit anrücken mögen, falls er solches noch da gefunden hatte; wäre ihm sol-ches hingegen entgangen gewesen, so würde daraus kein grosses Ungemacher-folget seyn, weil ihm sein Haupt Vornehmen einmahl gelungen wäre, auchkonnte darauf nichts anders, als die Aufhebung der Belagerung vor Ryffel
€ 2
erfol