172 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XVIII.
ohne daß diese Wacht- Häuser, vermittelst der Runden, einige Communica-tion, die Nacht über, mit einander hatten, ja es waren, auf den Wällen,über den Thoren, nicht einmahl Schild- Wachten ausgestellet, damit sie såhen,ob sich etwas heran nahete. Mit einem Wort, man trug in Cremona nichtdie mindeste Sorge für die Dienste, welche sonst in allen Festungen anbefohlen sind.
Ein Priester, welcher an einer kleinen Kirche, die von dem grossen Um-gang der Stadt etwas abgelegen, zu dienen bestellet war, hatte sein Hausbey nur gedachter Kirche. Neben dem Keller seiner Wohnung gieng eineWasser- Leitung hin, welche das Wasser aus den Gassen in die Stadt- Grå-ben führte. Auch gab es in Cremona eine grosse Menge Ausfälle, deren keinervergattert war. Auf den Bericht, welchen gemeldeter Priester hiervon erstattete, richtete nun der Pring Eugenius seinen Anschlag ein: er brachte, durchdiese Waffer Leitungen, bis auf sechshundert Mann in Cremona hinein, welche der Priester in seinem Keller, und in dieser Kirche, die nicht alle Tage be-fuchet ward, bestens zu verstecken suchte. Neben dem ließ er, den Tag über,eine wichtige Anzahl Soldaten, die wie Bauren verkleidet, hinein gehen, desAbends aber nicht wieder heraus kamen, sondern von selbigem Priester, odereinigen andern zusammen verschworenen in geheim aufgenommen wurden.Dieses Mittel war leicht ins Werck zu richten, weil an den Thoren niemandaufgeschrieben ward, und man sich niemahls erkundigte, ob dasjenige, so amTage in die Stadt gekommen, wiederum heraus gegangen, oder darinnengeblieben wäre.
Ein Theil von diesen Leuten hatte Instrumente, die zum Abbrechen derSchlösser bequem waren, andere aber waren mit Werckzeugen versehen, dasmit man Mauer- Werck einreissen konnte. Zwey Thore der Stadt wurdenauf der Seite des Oglio von dem Prinzen Eugenio ausersehen, daß er damit dem größten Hauffen seiner Truppen hinein dringen wolte. Eins vondiesen Thoren, nehmlich dasjenige, so des Priesters Haus am nähesten war,hatte man verrammelt und vermauret; und über diesem Thor auf dem Wallbefand sich ein kleines Wacht- Haus, darinnen man nur acht oder zehenMann hatte, welche nicht einmahl eine Schild- Wacht vor der Thür diesesWacht- Hauses stehen hatten, weil die Dienste, in Ansehung der Runden,so gar sehr hintan geseget und verabsäumet wurden. Nachdem sich nun alsodie Feinde dieser Mannschafft, welche in dem Wacht: Haus eines ruhigenSchlafs genosse, ohne Lärmen versichert hatten, so liessen sie ihre Maurer anNiederreissung der schlechten Mauer des Thors arbeiten, ohne daß sie von denRunden ausgespüret wurden, weil in der That keine gethan ward. Nunhatte zwar das andere Thor, dessen man sich am Tage zu der Handlung der
Stadt