Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XIX. 185
Bis hieher bin ich nur lauter Erempel von Überfallungen der Posten, soeinen glücklichen Erfolg gehabt, anzuführen bemühet gewesen; allein, bey dergleich folgenden Erzehlung, wird man eine sehen, die nicht angegangen, und dasvon ich die Ursachen anzuzeigen willens bin.
In dem Monath Januar. 1691. wolte Mr. de Catinat, welcher damahlszu Sufe war, Den Posten zu Vegliano überfallen und angreiffen, als woselbstder Herzog von Savoyen, in dem Schloß, so wegen seiner Lage ziemlich gutwar, eine Besatzung von Fuß- Volck, und in der Stadt, welche nicht aufferdem Angriff war, ein Regiment Dragoner liegen hatte. Dieser Posten istin dem Thal von Sufe, und konnte auf der Seite von Sufe, und auf der vonRivoli, zugleich angegriffen werden. Mr. de Catinat nahm über sich, daß ervon Sufe aus, mit einer Anzahl Truppen, und zwey Feld. Stücken, dahinmarschiren wolte, mir aber befahl er, daß ich ebenfalls mit einer PartheyTruppen und zweyen Stücken, auf der Seite von Rivoli, davor rückenfolte.
Wenn aber dieser Anschlag einen glücklichen Ausgang håtte sollen geswinnen können, so hätte dazu rechte Anstalt gemacht, und so dann auf dasallerschleunigste und richtigste ausgeführet werden müssen, weil der Herzogvon Savoyen Vegliano zu entfehen, in wenigen Stunden, weit mehr Trup-pen zusammen bringen konnte, als man deren, zu dessen Angriff, mit sich zuführen vermögend war. Da es nun also, in dem Augenblick, da das Vorshaben vollzogen werden solte, an der nöthigen Richtigkeit ermangelte, so wardieses Ursach, daß selbiges Unternehmen nicht gelingen mochte.
Des Herrn de Catinat Einrichtung aber war so beschaffen, wie ichgleich jego zu sagen willens bin. Die beyden Corps, so von Sofe und Pigne-rol abgiengen, marschirten auf zweyen unterschiedenen Seiten, so daß sie garnicht, weder auf ihrem Marsch, noch da sie im Begriff waren ihren Angriffanzufangen, mit einander reden konnten, und solten doch gleichwohl alle beyde,mit anbrechendem Tage, Vegliano zugleich anfallen, weil man solches nichtnach einander thun, und dem Regiment Dragoner, so man in der Stadtaufheben wolte, Zeit lassen muste sich in das Schloß zu ziehen.
Ich meines Orts begab mich, um die Zeit, so mir angedeutet worden,dahin, griff die Stadt Vegliano auf meiner Seite, welche nach Turin zusgieng und von dem Schloß am weitesten entfernet war, beherzt an, und ero-berte diefelbe; allein Mr. de Catinat hatte sich unter Wegs aufgehalten undein umgefallenes Stück wiederum aufheben lassen, fand sich daher zur besstimmten Zeit nicht ein, von Sufe her den Angriff ebenfalls zu thun, so daß einTheil Dragoner, so um das Schloß herum einquartieret, Zeit hatten mit ihrenPferden hinein zu gehen, die Besazung im Schloß aber sich in das GewehrZweyter Theil,
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