Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXIX. 209
ein dringen können. Und wenn man hiernächst diesem Aufwand die AnzahlDer Mannschafft, so man zu Besetzung dieser Linien gebrauchet, bengefügethätte, so würde man befinden, daß deren Dienste bey den Armeen dürfften nüßli-cher gewesen seyn.
Die Linien an der Maas und der Semoye find Champagne und denendrey Bisthümern nicht nüßlicher gewesen, massen deren Anlegung und Bese-hung gedachten Gegenden entfeßliche Summen Geldes gekostet, und dennochzu weiter nichts gedienet, als daß sie diejenigen, welche solche bewahren müssen,reicher gemacht haben.
Die Weissenburger und Hagenauer Linien, welche man Unter- Elsaß zubedecken angeleget, sind mit Gewalt eingenommen oder verlassen worden, sobald nur die Feinde in dem Stande geschienen, felbige anzugreiffen. Wasist aber dieser Verlassung halber für Ungelegenheit entstanden? Es hat solcheunsern Feinden zu weiter nichts gedienet, als daß sie das Vergnügen gehabt,einige Tage in gedachten Linien zu campiren. Der Marschall de Villars, so desKonigs Armee commandirte, hat bey der Gelegenheit eben den Entschluß gesfaffet, den er in den Linien bey Courtrai genommen: er hat seine Truppen zusfaminen gehalten, und der Feind hat ihm die Seite nicht blos geben und inElsaß einen Einfall thun dürffen. Die Gefahr wäre für selbigen allzu großgewesen: auch hat er nicht einmahl fortrücken dürffen, aus Furcht es möchteihm sein Brod, das er nur aus Landau haben konnte, weggenommen werden.Solchemnach hat er dennoch aus gedachten Linien wiederum heraus gehenmüssen, nachdem er einige Tage darinnen gestanden, und die Fütterung, mit desKönigs Armee, getheilet hatte.
Hätte sich der Marschall de Villars ein Haupt- Werck daraus machenund feine Linie in der Nähe bewahren wollen, die Feinde aber dennoch an ei-nem Ort hinein gedrungen waren, welches denn auffer Zweifel würde geschehen seyn, so durffte dessen Armee entweder getrennet oder in der Seite angegriffen, und ausser den Stand gefeßzet worden seyn, dem Feind neben einander die Spitze zu bieten, welcher darauf, wenn er auch gleich nur einenkleinen Theil von der Armee geschlagen hätte, dennoch die Oberhand dergesstalt erlanget haben dürffte, daß solche den ganzen Feldzug hindurch gedausret hätte.
Was also, bey dieser Verrichtung, vorgegangen, beweiset abermahl dieWahrheit meiner Grund- Regeln wegen der Linien.
So weiß man auch, was die groffen Linien, so man zu Anfang des ge-genwärtigen Krieges, die catholischen Niederlande zu bedecken, angeleget, füreinen Erfolg gehabt haben.
Mit den neuen verkürzsten Linien, die man, nach Verlassung der anZweyter Theil.
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Dern,