Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXX. 215
nung der Linien- Gebrauch in Franckreich eingeführet worden, hat sich alle-mahl so gewiß versichert gehalten, der Gebrauch der Linien wäre einem Gesneral, der Krieg führet, schädlich, daß er, was für einer Bequemlichkeit halber es auch seyn mögen, niemahls gestatten wollen, daß seine Armee inwendigin den Linien ihr Lager hätte.
Aus allen diesen erzehlten Erempeln mache ich den Schluß, daß dieseLinien ein Land wieder die Streifereyen zu bedecken solche Würckung niemahls verschaffen können, als wenn solche auf ihrer Fronte kurt sind, hiernächst nicht umzogen, oder die Truppen, so dieselben bewahren, in ihrer Seite, über der Strecke Landes, so sie in Schlacht Ordnung einnehmen können,nicht über den Hauffen geworffen werden mögen, und im übrigen für einenGeneral allemahl gefährlich sey, sich mit seiner Armee in selbige einzuschliessen.
Das drevßigste Capitel.
Von dem Angriff der Circumvallations- Linien.
Cap. XXX.
N meinen Grund- Regeln habe ich angezeiget, wie solcheangeleget werden sollen, in was für Gefahr ein Generalgeråth, wenn er seinen Feind darinnen erwarten will, und auf was WeiseDieselben mit gutem Erfolg anzugreiffen sind. Damit ich nun meine Re-geln, in Ansehung dieser Materie, bestärcke, so will ich Exempel anführenvon Linien, die mit Gewalt überfriegen worden, und denn auch von Linien,welche Obfervations- Armeen vertheidiget haben.
Die Linien bey Arras, oder Atrecht, waren die allerbesten, so bis anherogemacht worden, und vor deren Sicherheit man die allermeiste Sorgfalt getragen hatte; gleichwohl drangen die Marschalle de Turenne, de la Ferté undd'Hocquincourt, auch so gar mit sehr geringem Verlust, hinein, weil selbigean drey verschiedenen Orten angegriffen wurden, welchen man noch darzueinige falsche Angriffe beyfügte, hiernächst auch die Anfälle in der Nacht that,so daß es dem Feind unmöglich war, unter den vielen Angriffen im finstern zuunterscheiden, welches unter denselben die rechten wären.
Als die Türcken im Jahr 1683. die Stadt Wien belagerten, schlossen siefich da in Linien ein. Ihre Armee war überaus viel stärcker, als diejenige,welche der Kayser hatte zusammen bringen können, auch konnten sie der christlichen Armee entgegen gehen und selbige angreiffen, ohne von der BelagerungDeshalber abzustehen. Allein sie versäumeten dieses zu thun, und der Herzogvon Lothringen nahm über sich, die Linien oben an der Donau, mit dem gröftenTheil des Fuß- Volcks anzugreiffen; der König in Polen, Johannes Sobiesky,aber gieng mit seiner ganzen Reuterey und einem Theil der Kayserlichen, über
DAS