226 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
Armee, die bey nahe gang ob wohl stück- weise und ins besondere, gefochten,vorgegangen sind. Denn das Gefechte, welches in und hinter dem DorffSeneff gehalten worden, hat weder in Ansehung des Platzes, noch in Ansehungder Truppen, mit demjenigen so disfeit des Dorffs St. Nicolas aux bois,in und über demselben vorgenommen worden, einige Gleichheit, wie denn diesses lettere, mit dem, so in den Hopffen- Bergen und in dem Dorff du Fayserfolget, ebenfalls keine Gleichheit gehabt hat.
Solchemnach soll man das Treffen bey Seneff als drey grosse Gefechteansehen, welche an einem Tage wieder mancherley Truppen, an verschiedenenOrten, gehalten worden; jedennoch aber wieder die Colonnen von eben derArmee, die marschitte, und fast stets durch einerley Truppen, die nicht konnten eine Fronte machen, sondern nur, vermittelst ihrer Spize, gefochtenhaben.
Daß ich aber zwischen diesen beyden groffen Gefechten eine Vergleichung angestellet habe, solches ist darum geschehen, damit ich zu erkennen gebe,daß der unendliche Unterschied der Lagen eine eben so grosse Menge unterschiedener Einrichtungen hervorbringe, und auch verschiedene Mittel an die Handgebe, sich glückliche Erfolge zu verschaffen.
In eben dem Jahr 1674. hielt der Marschall de Turenne ein grossesGefecht bey Singheim, wobey er allen Vortheil erjagte. Dieser Generalhatte mittlerzeit, da der König mit der Eroberung der Grafschafft Burgund,vor Eröffnung des Feldzugs, beschäfftiget war, einen Theil seiner Armee indem Ober- Elsaß zusammen gezogen, um zu verwehren, daß die Kayserlichennicht einen Hauffen Truppen in die Grenz- Städte schickten und des KonigsProgressen stöhreten. Indem nun die Feinde faben, daß es, wegen dieser Ansstalt, eine vergebene Sache seyn würde, wenn sie den Entsatz dieser Provingunternehmen wolten, so brachten sie auch ihres Orts ein ziemlich ansehnlichesCorps zusammen, welches sich denn über Sinsheim lagerte, und diese kleineStadt vor seinem Lager hatte, darinnen Fuß- Volck und ein hohler Weg war,welcher die rechte Seite dieses Lagers jenseit der Stadt bedeckte.
Mr. de Turenne machte sich indessen auf den langen und geschwindenMarsch, den er seine Truppen thun lassen muste, wenn er solche aus demOber- Elsaß nach Philippsburg führen wolte, in aller Eil gefaßt, ohne daß dieFeinde etwas davon wusten, und wegen ihres Lagers bey Singheim sich eisnige Beyforge machten. Zu Philippsburg gieng er darauf über den Rhein,nahm einen Theil von dem Fuß- Volck, so da war, zu sich, und marschierte dieganze Nacht auf Sinsheim zu, so daß er in dem Gesicht des feindlichen Lagers frühe ben sehr guter Zeit anlangte. So bald nun dieser General dieGelegenheit des Lagers und des Feindes Stellung recognofciret hatte, machte