228 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.angegriffen werden möchte, und dessen Stärcke er so genau nicht wissen kon-nen, nicht wohl gleich seyn mag.
Alle grosse Actiones, davon ich bishero geredet, sind nichts anders, alsgrosse Gefechte, deren glücklicher Erfolg die Ober- Macht des Feldzugs, davonich gefaget, daß es die erste Gattung der wichtigen Kriegs- Verrichtungenwäre, bestätiget hat.
In eben dem Jahr 1674. lieferte der Marschall de Turenne, welchemder glückliche Ausgang des Treffens bey Sinsheim die Gleichheit mit demFeind zu wege gebracht hatte, in dem Anfang des Monaths Octobris dieSchlacht bey Hinsheim, welches die erste angestellte Feld- Schlacht gewesen,die ich gesehen habe.
Dieser General hatte sich, mit seiner Armee, bey dem Flecken Wangenau,gelagert; diese war der Kayserlichen, welche der Pring von Bournonvillecommandirte, bey nahe gleich. Des Kaysers feine campirte aber bey Hinsheim, allwo sie ein ansehnliches Corps Truppen, welches ihr der Churfürstvon Brandenburg zuführte, des nähesten erwartete. Wäre nun diese Con-junction erfolget, so würde selbige dadurch der Königlichen Armee schlechter-Dings an Macht überlegen gewesen seyn. Solchemnach war es höchst- nöthig,daß man den Würckungen dieser groffen Ober- Macht zuvor kame, weil sichausser dem der Marschall de Turenne gezwungen fahe, gantz Elsaß zu verlasssen, und dieses zu einer Jahrs- Zeit, mit der es noch nicht so weit gekommen,daß sie auf die Quartiere zu dencken hätte Anlaß geben mögen. Es war also,Philippsburg oder Brisach zu erhalten, kein ander Mittel vorhanden, als daßman den Pringen von Bournonville angriffe und schlüge, ehe der Churfürstvon Brandenburg zu ihm gestoffen wäre. Da sich nun der Marschall deTurenne also unumgänglich genöthiget sabe mit dem Feind zu schlagen, eheer sich mit dem ihm zukommenden Succurs conjungirte, so brach er vonWangenau auf, und wolte den Pringen von Bournonville bey Hinsheim auf-suchen. Auch war sehr zu vermuthen, daß, wenn es nicht unaufhörlich geregsnet hätte, so daß der Marsch der Armee dadurch schwer gemacht worden, undüber dieses ein kleiner Bach, welcher der feindlichen Fronte ziemlich nahe war,dergestalt angelauffen, daß man die ganze Nacht hindurch Brücken drüber.schlagen müssen, der Printz von Bournonville keine Zeit würde übrig gehabthaben, seine Armee vor feinem Lager in behörige Schlacht- Ordnung zu stellen.Allein diese Ungelegenheiten waren Ursache, daß des Königs Armee nicht ehe,als mit anbrechendem Tage, gänzlich über den Bach gelangen konnte, undder Feind also Zeit bekam, fich in Schlacht- Ordnung zu stellen, so daß seinlincker Flügel an ein kleines Gehölze stieß, dahin er Fuß- Volck und einigesGeschüß verlegte, das Dorff Hinsheim aber hinter seiner Fronte, und seinenechten Flügel in der Ebene ausgebreitet hatte.Darges