260 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
machte, ohne daß Mr de Melac etwas davon gewuft hatte, auch waren besreits über vier tausend von den Feinden herüber gegangen. Dieses Corps al-lein war schon stärcker als meins, weil solches, durch die Seuche, so daruntergerathen, dermassen geschmelzen, daß nicht einmahl drey tausend Mann imGewehr stehen konnten. Es war also für mich kein anderer Rath übrig, alsdaß ich mich, mit einem Arm von dem Speyerbach, der um Speyer herumfleußt, bedeckte, hiernächst unserm General, der neun Französische Meilenvon mir war, eiligst davon Nachricht gåbe, um dessen Ordre zu erhalten, unddenn den Feinden immittelst den Übergang des Damms bey Opau, daranihre Brücke stieß, so viel möglich, streitig machte. Dieses gieng mir gangervier und zwanzig Stunden lang an, binnen welcher Zeit ich mich, auf derFronte, die ich einnehmen konnte, an dem Ufer des Speyerbachs verschanzte.Bey dieser Anstalt und Einrichtung erwartete ich nun die Ordres von dem Mar-fchall de Lorge, wie nicht weniger die Feinde.
Belangende die Ordres, welche ich von dem Marschall de Lorge ershielt, so lauteten selbige dahin, daß ich diesen Posten verlassen, und mich nachPhilippsburg zurück ziehen, daselbst über den Rhein gehen, und ihm da einLager für seine Armee abstechen solte. Er hoffte durch diese Bewegung denFeind zu zwingen, wieder über den Rhein zu gehen; allein wie ich diesen Befehl erhielt, war es mir ferner nicht möglich, denselben in das Werck zu richten,weil der Feind in den Speyerischen Landswerth gienge, und nur noch einen halben Canonen Schuß von mir war. Doch verursachte die Langsamkeit desFeindes in gedachten Landswerth zu gehen, und feine Einrichtung zum Angriffmeiner zu machen, daß er erst Abends gegen vier Uhr an mich kam. Ichhielt deffen Feuer und Angriffe bis um Mitternacht aus, da er sich zurück besgab, und tausend oder zwölff hundert Mann auf der Fronte des Angriffs zusvid rück ließ, dahingegen der Verlust auf meiner Seite sehr geringe, weil ich versschanzet war.
Zwey Fehler, so der Feind begieng, erretteten dieses schwache Corps,das von zwey und vierzig Bataillons und hundert Efcadrons angegriffen ward.Der erste war, daß er so langsam in den Landswerth gieng, und aus demFeuer, welches ich aus fünff Stücken, die ich hatte, geben ließ, sich etwasmachte. Der andere befand sich in seiner Einrichtung mich anzugreiffen, immassen er diese nicht weiter, als auf die Fronte, die ich ihm entgegen stellenFonnte, gehen ließ. Hätte er mich recht umfaffet, wie er es, wegen seinerOber- Macht leicht thun konnte, so wäre ich, in sehr kurzer Zeit, gänglich unterdrücket gewesen.
Die Erzehlung dieses Gefechts wird zum Exempel dienen, damit manerkenne, wie groß die Gefahr sey, darinnen ein kleines Corps stecket, wenn
man