Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 271
Man hat zwar dem Herrn de Catinat vorgeworffen, er habe einen so vollständigen Sieg sich nicht fattsam zu Nug gemacht, zu dem Coni nicht einge.nommen, und des Königs Armee in der Ebene von Piemont nicht überwintern lassen; dieweil ich aber bey felbiger Armee nicht gedienet habe, so will ichdieses Puncts halber nur so viel sagen, als ich davon gehöret habe, nehmlichdaß diesem General die zu der Belagerung Coni erforderte Munition, und dasnöthige Proviant, wie auch andere zu Verpflegung der Armee jenseit der Gebürge behörige Sachen, nicht dargereichet worden, daher es also wohl seynkönnte, daß man dem Marschall de Catinat solches auf keine billige Art vorzuwerffen hätte.
Bis hieher habe ich weit mehr Fehler zu zeigen gehabt, die von den Ge-nerals unserer Feinde begangen worden, als solche, die etwa diejenigen, wel-che der König zu dem Commando feiner Armeen gebrauchet, begangen habenmöchten. Allein nunmehro wird es, bey demjenigen, was mir, bey der Untersuchung der Schlachten oder grossen Gefechte, welche von Anfang diesesKrieges vorgegangen, zu sagen noch übrig ist, ziemlich anders klingen: ange=sehen deren gesammter unglücklicher Ausgang niemand anders, als denjenigen,so das General- Commando über die Armeen gehabt haben, vernünfftigerweise zugeschrieben werden mag: welches denn, durch die Art, wie sie sich sowohl vorhero, als an dem Tage dieser grossen Actionen selbst, verhalten haben,gar leicht zu erweisen seyn wird.
Die erste Action in dem Kriege, welcher 1701. angegangen, ist von der Treffen beyandern Gattung, nehmlich das Treffen bey Carpi, so in der Lombarden gehals Carpi undten worden. Ein ungefährer Zufall war Urfach, daß deffen Ausgang den bey. bey Chiariden Cronen, in Ansehung des Kriegs in Italien, nicht gleich im Anfang gång-lich zum Nachtheil gereichte. Damit ich aber diese Wahrheit erweise, so istnöthig, anzuführen, wie das Project dieses Krieges auf unserer Seite beschaffen,und was vor gedachtem Treffen sich zugetragen hatte.
Die allgemeine Einrichtung, welche sich der König machte, den Krieg,der Spanischen Monarchie, so Philippo V. heimgefallen, zum Vortheil, gegenden Kayser und dessen gesammte Bunds- Genoffen, zu führen, war ein Defenfiv-Krieg, wie ich bereits anderwärts gedacht habe. Diesemnach bekam derMarschall de Catinat, welchem das Comniando in Italien anvertrauet ward,gewisse Inftructiones, wie er sich zu verhalten hatte, wodurch er iedoch, in seisnen ersten Bewegungen, allzu sehr eingeschräncket ward: allermassen ihm nichterlaubet war, dem Herausbruch der Kayserlichen Armee aus dem Tridentinischen sich zu wiedersetzen. Diese Armee stund unter dem Commando desPringen Eugenii, der sich in der Ebene bey Verona jenseit der Etsch befand,
1701.
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