278 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
marsche des Marschalls de Catinat ein wenig den Muth benominen, damitwieder ein Herz machen wolte, so ward er mit dem Herzog von Savoyen eisnig, daß er das kleine Corps zu Fuß, welches der Feind, an der Spize seines Lagers, in Chiari, hatte, angreiffen wolte, ohnerachtet der Marschallde Carinat demselbigen hinterbracht, was er für rechtmäßige Ursachen ge-habt, in die Redlichkeit dieses Fürsten ein Mißtrauen zu setzen. Auchwar desselbigen Anschlags Vollziehung gantz eitel und fruchtlos, weil solcher,bey den gegenwärtigen Umständen, der Armee keinen Vortheil verschaffet hat-te, wenn er auch schon auf das beste abgelauffen wäre. Allein der PrintEugenius bekam von unserm Vorhaben, und unserer Anstalt gar bald Nach-richt, daher machte er sich), nach dieser erhaltenen Känntniß, fertig, uns solchenVersuch blutig genug zu machen, welches ihm auch vollkommen wohl gelunge:angesehen wir da viel Volck einbüsseten; und nachdem wir unser Vorhabenso lange hartnäckig fortgefeßet, als es der Herzog von Savoyen, zur Vergrößferung unsers Verlusts, für nöthig achtete, so musten wir endlich abziehen, ohnedaß wir die Zeit über, da das Treffen währte, einen einzigen Augenblick ge-habt, wo man hätte glauben können, daß es glücklich ablauffen würde, so wohlhatte sich der Pring Eugenius gefaßt gemacht.
Ich halte nicht dafür, daß ich hier einen Umstand vergessen soll, der mirvon Personen erzehlet worden, so mit bey diesem Gefecht gewesen sind. Nehm-lich daß der Herzog von Savoyen die ganze Action über sich dermassen tapfererwiesen, daß solches allein darzuthun vermögend gewesen wäre, daß er es auf.richtig meynete, daferne man ausser dem nicht überzeugende Proben von seinerUntreue und Verräthercy gehabt hätte.
Aus diesen beyden Treffen, bey Carpi und Chiari, die auf einander gefolget sind, will ich Anmerckungen nehmen, die einander entgegen sind. In demAnschlag auf Carpi war auf Seiten des feindlichen Generals alles groß, undziclete, vermöge seiner weisen Einrichtung, auf die gänzliche Entscheidung eines angehenden Kriegs, der gleichsam unmöglich hätte angefangen werdenfollen, und dieses blos darum, weil der Pring Eugenius mit mehrer Wise, alsDer Marschall de Catinat, begabet war. Hingegen war in dem Anschlag aufChiari, von Seiten des Marschalls de Villeroi, alles klein, indem der BesizDes Posten zu Chiari ihn zu nichts wichtigem bringen, ja nicht einmahl möglicher weise versichern konnte, daß er denselben, wenn er ihn auch schon eroberte, zu behalten im Stande ware, weil er der Fronte des feindlichen Lagersallzu nahe lag. Solchemnach öffnete sich der Pring Eugenius, vermittelst derAufhebung des einzigen Posten zu Carpi, einen dem Ansehen nach sichern Weg,die gesammte Armee der beyden Cronen zu ruiniren, und ganz Italien zu ero-bern, und das heisset einer Sache gründlich nachdencken; allein der Marschall
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