280 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
sicht, denenselben alle Communication mit dem Mirandolischen und dem Mode-nesischen völlig abzuschneiden. Wie man nun da über viele Flüsse und Navilis,oder mit Händen gemachte Canale, zu gehen hatte, so verrichtete man diesenMarsch anfänglich mit ziemlicher Vorsicht: man marschirte in so viclen Colon-nen, als es nur immer geschehen können, auch war ein Corps zu Pferd com-mandiret, daß es vor dem Marsch der Armee her ziehen, und diese von allem,was es sehen würde, benachrichtigen solte. Man wuste also gar nicht, daß derPrint Eugenius einige Bewegung gemacht hatte, sondern man glaubte, crstünde in dem Seraglio, so wie er sich demselben, auf der Seite von Mantua, gesnähert hätte. Gleichwohl war gedachter Prins, mit dem grösten Theil seinerArmee, über den Po gegangen, und stund zwischen dem Zero und dem Po, mitDem Damm des Zero so wohl bedecket, daß man gar nicht wuste, daß seine Ar-mee so nahe wåre: weil der Officier, welcher das vor der Armee hergehendeCorps Reuter commandirte, mit seiner Curiositat, zu Ende des Marsches, nichtbis auf den Damm des Zero gegangen war, als hinter demselben die gesammteKayserliche Armee sich in Schlacht- Ordnung befand, welches in Wahrheit eineallzu grosse Nachläßigkeit war, die zum wenigsten auf das fünfftige zur Lehredienen soll, daß man in eine solche Beschwerlichkeit ferner nicht gerathe.
Als nun des Königs Armee, die solcher gestalt marschirte, und mithin annoch in Colonnen war, im Begriff stund, ihr Lager, bey Luzara, zu beziehen, sobefand sie sich unter dem Feuer des feindlichen Fuß- Volcks, welches auf derUmfeite des Damms in Schlacht- Ordnung stund, und nur auf gemeldetenDamm hinantreten und Feuer geben durffte. Solchemnach muste man sich,wie man auf dem zum Lager bestimmten Plas ankam, also fort in SchlachtsOrdnung stellen und fechten. Es befanden sich aber, zwischen der Fronte derArmec und dem Damm, viele Zäune, so daß es unmöglich war, daß die Linienconfornen an einander kommen mochten. Nichts desto weniger wagte es derFeind an vielen Orten, an unsere Bataillons zu rücken, allein es geschahe sonderErfolg. Und ob es wohl auf unserer rechten Seite ein freyes und offenes Landfür unsere Reuterey gab, auch da einige Scharmüßel vorgiengen, so hattendoch solche wenig zu bedeuten, weil der Feind sahe, daß ihm der Angriff derFronte nicht gelingen würde, und daß die Reuterey von dem rechten Flügel,welche sich auf ihrem Marsch, von dem Zug der Colonnen zu Fuß, ein wenigallzu sehr entfernet hatte, zur selbigen Zeit ihren Plaz wiederum eingenommen,und, auf dem rechten Flügel des Fuß- Volcks, ihre Linie formiret hatte. Dasher gieng diese Schlacht, auf beyden Seiten, ohne mercklichen Vortheil, aufDer Wahlstatt, vorbey. Jedoch lagerte sich unsere Armee einen Stück- Schußweit von der feindlichen, wiewohl sie diese nicht sehen konnte, weil sie hinterdem Damm stund, verschanzte auch ihr Lager, weil sie Luzara und Guaftalla,
welche