284 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
So bald diese Bewegung, welche vor des Herrn de Villars Augenvorgenommen ward, ihren Anfang nahm, hatte dieser General schon Ordregegeben, daß man des Königs Armee über den Rhein solte gehen lassen, welches denn in aller möglichen Eil zu Werck gerichtet ward. Nachdem nundie Armee hinüber war, theilete er diese, wie sie auf den Feind les gehen solte,eben so, wie der Feind den Marsch zu seinem Abzug eingetheilet hatte. DasFuß- Volck marfchirte, unter Anführung des Herrn Desbordes, voraus aufdie Höhe, über welche die feindliche Infanterie ihren Marsch nahm; dieweilaber diese verabsäumete, sich wieder herbey zu machen, und der Königlichen, diegrosse Mühe hinan zu steigen hatte, sich nachdrücklich zu wiedersehen, so be-fand selbige kurz darauf, daß man ihrem Nachzug schon auf dem Halse war,angesehen unser Fuß- Volck mit allzu groffer Hize marfchirte, so gar, daß eseine Weile still halten und wiederum Odem schöpffen muste.
Wäre der Feind, auf unsere Bataillons, die gang auffer Athem und inUnordnung waren, damahls losgegangen so hatte man sehr vermuthen können,daß er über unser Fuß- Volck einigen Vortheil erhalten hatte. Allein Mr. deVillars, Der mit vielem Grund diese Ungelegenheit befürchtete, begab sich in Person dahin, und machte, daß sein Fuß- Volck sich die Zeit nahm und in Ordnungstellete. Gleichwohl griffen diese beyde Corps einander nicht in Linien an:Denn ob wohl unser Fuß- Volck dem Abzug des feindlichen in der Nähe folge-te, so konnte es doch selbiges nicht dahin bringen, daß es mit einer Fronte undneben einander gefochten hatte, daher man auch nicht sagen kan, daß solches,bey dieser Gelegenheit, wäre geschlagen worden; hingegen hatte das Gefechtder Reuterey, aus Versehen des Officiers, welcher die feindliche commandirte,und, vermöge der Klugheit und Geschicklichkeit des Herrn de Magnac, so des Kosnigs seine anführete, weit mehr zu bedeuten.
Wie mir nun das Verhalten dieser Generals- Person, bey dieser Gelesgenheit, sehr flug und verständig vorgekommen, so will ich dasselbe mit denrichtigsten Umständen vorstellen, weil solches vielleicht meinem Sohn dersmahleinst zum Unterricht dienen kan. Ich habe bereits angeführet, daß dieEbene, wo die feindliche Armee ihr Lager hatte, sich bis an das Dorff Friedlingen erstreckete, woselbst der Durchgang einen wichtigen engen Weg aussmachte, wie nicht weniger, daß es vor diesem engen Ort eine Redute gåbe,darinnen der Feind Canonen und einen Posten von Fuß- Volck hätte. Indem nun die Generals- Person, welche die feindliche Reuterey commandirte, fichauf den Marsch begab, so meynte selbige, sie würde ihre Reuterey schon durchsie engen Derter gehen lassen können, ehe die unfrige im Stande wäre, an diesfelbige zu kommen, weil sie ja noch nicht einmahl völlig über die Rhein- Bruscke gegangen wäre. Allein er ward, durch unsern behenden Marsch, betrogen:
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