Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 289
Folgen gehabt, daß ich für dienlich erachte, meinen Sohn von demjenigen,was vor dieser fatalen Schlacht hergegangen, zuforderst zu unterrichten, eheich erzehle, was an dem Tage der Schlacht selbst sich zugetragen hat, damitich ihm Anlaß gebe, desto besser zu begreiffen, wie viel an einer guten Einrich-tung gelegen, und wie nöthig es sey, die Begebenheiten mit Weisheit undÜberlegung zu führen, um dieselben so glücklich zu machen, als die menschlicheKlugheit urtheilen kan, daß sie es, vermöge der Folgen eines weisen Verhalstens, werden müssen.
Damit man aber meine Anmerckung desto besser verstehe, so erachte ichfür nöthig, daß ich, von dem Zustand, darinnen des Königs Sachen, vor diesfer Schlacht, in Teutschland waren, eins und das andere gedencke. DerChurfürst von Bayern war auf der beyden Cronen Seite, und hielt in seinenLändern, und mitten in Teutschland, den Krieg gegen den Kayser und dasReich aus: angesehen diese ihm solchen blos darum angekündiget hatten, weiler, wieder die Cronen Franckreich und Spanien, nicht mit in den Bund* treten wollen. Dieweil aber dieser Fürst, bey seiner Macht allein, allzu leichtmöchte seyn unterdrücket worden, so schickte ihm der König ein Corps vonzwanzig tausend Mann, unter dem Commando des Herrn de Villars, juHülffe. So lange nun dieser General in Bayern sich befand, ward derKrieg, in selbigem Lande, bey vielerley Gelegenheiten, mit vortheilhafftem Erfolg, geführet; nachdem aber Franckreichs Unglück wolte, daß zwischen demChurfürsten und dem Marschall de Villars ein Mißverständniß sich hervorthat,so verlangte selbiger Fürst dessen Zurückberuffung so gar eifrig, daß der König dafür hielt, daß er demselbigen hierinnen willfahren solte. Diesemnachward der Marschall de Villars zurück beruffen, und ihm folgte in dem Com-mando der Graf von Marfin, welchen der König zum Marschall von Franckreich machte, ohnerachtet er einer von den untersten General- Lieutenants war,und im Kriege niemahls fünff hundert Pferde auf einmahl zu commandirengehabt hatte. Indem nun dieses zu Ende des Feldzugs von 1703. vorgieng,so ließ sich gedachte Veränderung so fort nicht spüren; nachdem aber in demfolgenden Jahr der Kayser und seine Alliirten beschlossen hatten, ihre gesammteKraffte anzuspannen, den Churfürften von Bayern gang über den Hauffen zuwerffen, so zogen sie die gesammte Macht des Reichs, unter dem Commandodes Prinzen Eugenii, und den größten Theil der Engel- und Holländer ihrer,fo Mr. de Marlborough commandirte, zusammen, um den Churfürsten in seinen Landen anzugreiffen. Dieweil nun der König sahe, daß dieses grosse Un-gewitter
* Beffer: weil er mit diefen benden Cronen Allianz gemacht, und fremde Wölckerauf den Reichs- Boden geführet hatte.
Zweyter Theil.
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