Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 291
Gefahr stund, daß er weggenommen würde. Daher waren die Convoyenschwerer aus Nördlingen, als aus Nüremberg, zu bekommen, weil man dasMehl in selbiger Stadt erhalten mußte, das da sonst leicht aufgehoben werden mochte, und das Brod, durch Convoyen, die nur mit groffer Schwürigkeit vollbracht werden konnten, von dar zu bekommen war.
Aus diesen Gründen ist es leicht, den Schluß zu machen, daß unsere Gesnerals keine tüchtige Ursache gehabt haben, einen Feind anzugreiffen, der garbald würde seyn gezwungen worden, das Ufer der Donau zu verlassen, weil erda nicht hätte leben können, wäre also weit Flüger gewesen, ihn zu nöthigen,daß er sich nach Nuremberg oder an den Mayn zurück ziehen müssen, wennman ihm seine Zufuhren schwer, ja gar unmöglich gemacht, so lange er hartsnäckig darauf bestanden hätte, an der Donau zu bleiben. Solchemnach wares unweislich gehandelt, daß man, durch ein Haupt- Treffen, den Sachenden Ausschlag geben wolte, und zwar bey einer solchen Gelegenheit, wo dieGedult allein von nöthen war, wenn man sich ganz Teutschlandes, zwischendem Mayn und der Donau, nach dem Abzug der Hülffs- Bölcker, die Mr.de Marlborough herbey geführet, völlig bemeistern wolte. Gleichwohl brachtedas bose Verhängniß Franckreichs unsern beyden Marschalls so grosse Vermessenheit und Hochmuth bey, daß sie die von mir alleweile angeführten Gründe,welche sie, bey felbigen Umständen, von aller Ubereitung gänglich abhaltensolten, in gar keine Erwegung zogen, sondern gegentheils ihre beyden Ar-meen bis an das Dorff Bleinheim oder Blindheim, an der Donau, rückenlieffen.
Indem es nun dem Feind, aus Ursachen des Unterhalts, davon ich obengedacht, alle Tage schlechter dings nöthig war, zu fechten, er auch wohl wuste,daß er nur gar wenige Tage noch an der Donau bleiben könnte, so rückte erseines Orts ebenfalls an, in der Absicht, daß er in der Nähe recognofcirenwolte, ob unsere Bewegungen oder unsere Beschaffenheit ihm Gelegenheit, un-fere Armee anzugreiffen, darreichen wolten.
Diese nun hatte sich auf folgende Art gelagert: Die Donau war aufder rechten, das Dorff Blindheim unweit der Donau auf der Fronte derLinie, ein ander Dorff etwas über dem Centro des lincken Flügels in derEbene; vor der ganzen Fronte der Armee aber gab es einen Bach, über denman schwerlich, ja vor einer Armee unmöglich, gelangen konnte, daferne unsere Schlacht- Ordnung uns demselben nur, in einer behörigen Weite, genåberthätte. Das allerfeltsamste aber an unserm Lager war, daß, ob wohl unserezwey Armeen auf einer Fronte campirten, und, nach meinen Regeln, eineArmee niemahls anders sich lagern soll, als wie sie marschiren und fechten will,unsere beyden Armeen auf einer Fronte in der That, wie zwey ganz abson-
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