296 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
Eine solche Bewandniß hat es mit der Schlacht bey Hochstätt gehabt,wiewohl dasjenige, so daran zu tadeln ist, den Truppen nicht beygemessen wer-Den soll, als welche sich tapffer verhalten haben, sondern allein den beyden Mar-schalls, wegen ihrer unverständigen Anstalt zu dem Fechten, und denn auchden Generals von dem rechten Flügel, welche nicht sind bedacht gewesen, dieersten schlimmen Erfolge, nach des Marschalls de Tallard Gefangenschafft, wiesberum zu verbessern, noch auch mehr gedachtes Fuß- Volck aus ermeldetenDörffern heraus zu ziehen.
Nach der ziemlich schlecht weg vollbrachten Erzehlung dieser Schlacht,von der man wohl sagen mag, daß, mit solcher, das Glück der Regierung un-fers Königs seine Endschafft erreichet habe, scheinet es mir dienlich, mit meinenAnmerckungen auf diese unglückliche Schlacht zu kommen, und zu zeigen, daßfie blos darum betrübt abgelauffen, weil die Generals, so dieselbe geliefert, denRegeln nicht gefolget, welche zu einer sichern Richtschnur dienen sollen, wennman untersuchen will, ob man gute Ursachen habe, eine Schlacht zu liefern,und wie man sich, vermittelst der besondern Einrichtung, in einen Stand seget, daß man vernünfftiger weise hoffen könne, seinen Feind zu schlagen, wennman solche zu liefern oder anzunehmen willens ist.
Um nun diese Materie genau zu untersuchen, und zwar nach der Metho-de, so ich mir vorgesetzet, nehmlich die Wahrheit meiner Regeln von demKriege, in Ansehung des Inhalts der Capitel, davon ich handele, durch Exempel zu erweisen, so will ich den Anfang meiner Anmerckungen bey den Fehlernmachen, welche zu der Zeit, die vor der Schlacht bey Hochstätt hergegangen, in Ansehung der allgemeinen Beschaffenheit der Kriegs- Sachen in Teutsch-land begangen worden, und darauf beschliessen, indem ich zeige, worinnenman in der besondern Einrichtung gefehlet, damit ich darthue, daß die allgesmeinen Fehler die besondern bey nahe allemahl nach sich ziehen.
Es konnte damahls auf keine Weise rathsam seyn, den Ausschlag desganzen Krieges in Teutschland auf die Spige einer einzigen Schlacht zu seBen. Diese Wahrheit hatte um so viel mehr ihre Richtigkeit, weil man fahe,daß die Engel- und Holländer den Krieg in Flandern, selbigen Feldzug, gleichfam fahren lassen, damit sie alle ihre Kräffte dran sesen, und dem Krieg inTeutschland den Ausschlag geben möchten, bevorab da der Kayser auffer demfich darinnen nicht länger erhalten, sie selbst auch fernerhin keine Mannschafftaus Teutschland erlangen konnten.
Diesemnach hatte man das Fechten vermeiden sollen, weil es schon genugwar, sich zu erhalten, wenn man die Engel- und Holländer dahin brachte, daß siefich entweder zurück ziehen, oder den Krieg in Flandern gänzlich fahren lassonmüften,
Damit