Historische und Militarische Nachrichten. Cap.XXXI. 295
glücklich getroffen hatte, in nicht geringen Sorgen stund, es möchte diese Ar-mee, von dem sieghafften lincken Flügel des Feindes, in der Seite angegriffenwerden, zu der Zeit, da ihn der rechte von vornen anfiel, so war es blos dahinbedacht, wie er sich nach Um zurück ziehen wolte, verließ daher seine Wahl-statt, und befanne sich nicht auf eine Bewegung, die leicht zu machen war, indem er sich nur zur rechten wenden, und die feindliche Neuterey, welche disseitDer Dörffer gerücket, in der Seite angreiffen durffte. Durch diesen Angriffhätte er das Fuß- Volck, so in den Dörffern stund, zurück bekommen oder beschirmen, zugleich auch der Neuterey von der Armee des Marschalls de Tallard,so in Unordnung gerathen, Zeit verschaffen können, sich wiederum zu versamm-len, und entweder hinter oder auf den Flügeln der Armee sich in Schlacht- Ordnung zu stellen, mithin also die Schlacht wiederum anzuheben, und solche vielleicht gar zu gewinnen; allein des Marschalls de Ma fin Wig gieng so weitnicht, daß er an eine solche Bewegung hätte dencken sollen. Er begab sich also,wie ich vorhin gedacht, nach Ulm, und ließ die Armee des Marschalls de Tal-lard, wie auch das Fuß- Volck, so in den Dörffern war, auf diese Maasse indem Stich, ohne daß er sich deswegen einige Sorge machte. Der Feindhingegen war seines Orts nicht einen Augenblick bedacht, den Marschall deMarfin und den Churfürsten auf ihrem Abzug zu stehren, weil er wohl verspůrete, daß ihm der gängliche Untergang der Armee des Marschalls de Tallardschon genug wäre, die Obermacht der Waffen den übrigen Feldzug hindurchzu erlangen.
Es waren gedachter massen sieben und zwanzig Bataillons von des Kosnigs beftem Fuß- Volck und zwölff Efcadrons Dragoner in das Dorff Blindsheim eingesperret: diese durfften darinnen eben nicht einen allzu langen Wiederstand thun, um den Marschall de Marfin von seiner Sinnlosigkeit sich wie-derum erholen zu lassen, und auf die Gedancken zu bringen, daß er eine Meilevon der Wahlstatt hätte halten lassen, die Überbleibsel der Armee des Marsschalls de Tallard da wieder zu versammlen, darauf wieder umzukehren, undmit dem Feind, der sehr in Unordnung und mit Plünderung des Lagers bemühet war, eine neue Schlacht anzugehen.
Jmmittelst thäten die feindlichen Generals unsern in dem Dorff eingessperreten Generals- Personen den Antrag, sie solten die Truppen das Gewehrniederlegen lassen, und sich zu Kriegs- Gefangenen ergeben. Der Vorschlagward angenominen, und sie übergaben also unsern Feinden eine ganze Armee,ohne den Degen zu zucken, welches gewißlich eine so schändliche That war, daßsie eine sehr ernstliche Beftraffung verdienet hatte, an statt der Belohnungenund Beförderungen zu höhern Würden, damit die Urheber dieser unvergeß-lichen Schande sind überschüttet worden.
Eine