302 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
versammlen konnte, wenn nehmlich die Recruten, die ihm aus Franckreich zusgeschicket werden solten, bey ihm würden angelanget seyn. Dieses seinBorhaben vertrauete er dem Grafen de Medavi, dem er das Commandoüber die Quartiere an dem Oglio und an der Adda ließ, gieng darauf nachdns Franckreich, an den Hof, ohne daß er den Feinden, wegen seines vorbedachten Projects, einigen Argwohn gegeben hatte. Bey seiner Zurückkunfft ausFranckreich, welche einige Tage vor des Prinzen Eugenii feiner von Wienerfolget war, fand Mr. de Vendôme den Herrn von Reventlau ruhig in seinenQuartieren, und daß der Graf de Medavi, vermöge feiner Ordres, feineEinrichtung zu einem geschwinden und geheimen Marsch, dazu iede Bataillondrey hundert Mann abgeben muste, auch vier bis fünff taufend Pferde mitcommandiret waren, dergestalt gemacht, daß sie sich zu Caftiglione, so geDachten drey feindlichen Quartieren auf eine Meile weit gegen über lag,einer Nacht beysammen fanden.
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So bald der Tag anbrach, stund unsere Armee, in der Ebene, vor denfeindlichen Quartieren in Schlacht- Ordnung. Gleichwohl ließ die Zeit, so esbrauchte, an die Feinde zu rücken, und hiernächst die Schwürigkeit des Marssches, der Berg- an geschehen muste, selbigen so viel Musse, daß sie, auf der Höshe, welche längst ihren Quartieren zu Carpendolo und Calcinato allenthalbenherum gienge, sich in Ordnung stellen konnten.
Bey dieser Einrichtung hielt der Herr von Reventlau unfere ersten An-griffe, so gar auch gegen die Reuterey von unserm lincken Flügel, eine Zeitlang mit Vortheil aus; als er aber sabe, daß unser rechter Flügel, zwischendie Truppen aus dem Quartier von Montechiaro und seinen lincken Flügel,eindrang, und also dieses Quartier nicht ferner zu ihm stoffen konnte, ja unsereVölcker auch so gar im Begriff stunden, ihm seinen Abzug nach Salo zu besnehmen, so wolte sich dieser General lieber selbst fortmachen; dieweil aber sol-ches ohne eine allgemeine und vollige Unordnung nicht geschehen konnte, so,daß weder die Uberbleibfel des Corps, welches gefochten hatte, noch auch dasQuartier zu Montechiaro, das nicht getroffen, zu Salo nicht stehen bleibendurffte, so giengen sie bis nach Roveredo und an den Eingang in Tyrol, woselbst die Spitze der fliehenden den Prinzen Eugenium, der von Wien kam,antraff.
Für des Königs Sachen wäre es wohl zu wünschen gewesen, daß Mr.de Vendôme, bey dieser Gelegenheit, selbiger gang in Unordnung gerathenenArmee mit mehrerm Nachdruck nachgesetzet hätte, und mit seiner bis an Ro-veredo und an den Ausgang der Alpen gegangen wäre, bevorab da der Feindnicht in dem Stande gewesen, sich darwieder zu sehen. Wäre er nun auf diese Maasse vor sich gerücket, so hätte er den Krieg wieder in eben den Zustandgefezzet,