Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXIII. 331
Befagung ebenfalls davon, und ließ nur einige Leute in den Winckeln des be=deckten Wegs, das Feuer daselbst zu unterhalten, auch wusten diese nicht einmahl, was in der Stadt vorgieng, damit nicht etwa ein Überläufer dem Feind,von dem Auszug der Befagung, Nachricht gåbe. Doch als Mr. de Peryglaubte, daß er von dem Ort genugsam entfernet ware, so schickte er hin,und ließ die Mannschafft, so er in gemeldeten Posten gelassen, ebenfalls abholen, welche darauf rubiglich bey ihm ankam. Solcher gestalt zog er dieganze Befagung aus Hagenau, und stieß wieder zu der Armee, ohne daß erauf seinem Abzug einen einigen Mann verlohren hatte, massen dieses derFeind nicht ehe, als wie es Tag geworden, innen ward, und die Besazungihren Marsch schon so weit fortgefehet hatte, daß sie von der Reuterey, dieihr der Feind etwa hätte nachschicken mögen, ferner nicht erreichet werdenFonnte.
Dieses Exempel ist was sehr besonders, und verdienet wohl, daß derKonig dasselbige belohne; beweiset aber, wie nöthig es sey, einen zu belagernden Ort völlig einzuschliessen. Jedoch will ich denjenigen, welchen eine Be-lagerung anvertrauet, und gleichwohl bey weitem nicht so viel Truppen ha-ben, als zu Formirung einer vollständigen Einschliessung erfordert werdenmöchten, zur Nachricht sagen, daß es eine sicher zu gebrauchende Vorsicht gebe,fich gegen dergleichen Begebenheit gebührend zu verwahren, welche nun darinnen bestehet, daß man des Nachts, nahe bey den Thoren, und an dieWege, so nach dem Ort zugehen, Posten aussehe, hiernächst die Reutereydes Nachts zu Pferd steigen lasse, darauf solche auf dem ganzen Plaz, dernicht eingeschlossen werden mögen, allenthalben sich ausbreite, damit mannicht in die Verdrußlichkeit gerathe, daß eine ganze Besagung aus einemOrt weiche und abziehe, ohne daß man davon Nachricht habe: immassen esschon genug ist, wenn man diese Besaßung entdecket, weil sie so denn entwesder ihren Abmarsch bleiben lassen, oder gewärtig seyn muß, daß sie, wenn siesich von dem Ort bereits so sehr entfernet, daß sie nicht wiederum hinein gelangen mag, wichtige Schläge bekommen werde.
Zu Ende eben dieses Jahrs 1705. unternahm der Herzog de Vendômedie Belagerung vor Veruë, ohne daß er den Ort völlig einzuschliessen gemeynet war. Es lieget selbiger an dem mittägigen Ufer des Po- Flusses, in derlangen Reihe der Gebürge, welche diesen Strom, von Montcallier an bis anCafal, einfassen. Dessen Festungs- Wercke reichen bis an den Po, welcheran diesem Ort eine Inful formiret, darinnen eine Redute war, so eineBrücke bedeckte, darüber man aus der Festung nach Crefcentino, wo derHerzog von Savoyen mit allen seinen Truppen stund, unschwer gelangenFonnte.
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