Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXVI. 353
mittelst eines einigen Eingangs in den Lauf Graben Barcellona, und die Festung Montjoüi, zugleich) angreiffen. Doch konnte dieses Vorhaben nochgar vernünfftig seyn, falls es nur wäre rechtschaffen ausgeführet worden, immassen Barcellona, auf eben der Seite, von den Aufrührern, war eingenommen, nach seiner Eroberung aber nicht wiederum ausgebessert worden; alleinman hätte den Angriff der Festung Montjoüi nicht gegen die Vorder- SeiteDer Stadt Barcellona, sondern gegen deren Flanque führen sollen, woselbstman angreiffen konnte, wie denn auch solche Flanque in der That von ungefähr angegriffen ward, als man die Bedeckung auf der Contrescarpe, gegenBarcellona zu, machen wolte. Eben so erbärmlich war auch die Aufführung,bey dem Angriff der Stadt, obgleich die Erwehlung des Angriffs gedachtermassen ihre Ursachen haben konnte.
Wenn ich nun also die Belagerung der Festung Charleroi mit derBarcelloner in Vergleichung ziehe, so kan ich sagen, daß, bey der ersten, dieerwehlten Angriffe, wo der Ort am stärcksten war, von einem Mann, derbey folcher Gelegenheit seine Geschicklichkeit hat wollen sehen lassen, indem ereine Festung an einem ganz andern Ort angepacket, als wo er solche, demAnsehen nach, einnehmen wolte, nehmlich vornen nach Brüssel zu, glücklich zuEnde geführet worden; bey der von Barcellona hingegen Mr. de Lapara zwarfeine Angriffe wohl ausgesuchet, iedennoch aber solche, bey Fortsetzung seinerBelagerung, ja so gar bis an seinen erfolgten Tod, geschicklich auszuführennicht gewust hat.
Das dritte Exempel, da eine Festung, in Ansehung der erwehlten Atra-que, übel angegriffen worden, ist das zu Turin. Gleichwie aber selbiges dasDenckwürdigste ist, die Art auch diesen Ort anzugreiffen viele Monathe vorfeiner Belagerung überleget worden, fo will ich mich hierbey etwas längeraufhalten, als bey den andern geschehen ist.
Es gab da zwey schöne Attaquen gegen die Stadt zu erwehlen, eine beyValentino vor dem Peters- Thor, und die andere gegen die Vorstadt du Balonvor dem Schloß- Thor. Nun ward zwar vorgeschlagen, daß man einen unter diesen Angriffen erwehlen möchte; allein nachfolgende Ursachen, die ich nichtfür gut befunden, und die man zum Vorwand gebrauchet, dabey nicht zu bleiben,haben zu einem andern Entschluß Anlaß gegeben.
Man wandte, gegen den Angriff vor dem Peters- Thor, ein, daß, wennman solchen bewerckstelligen wolte, man die befestigte Höhe bey den Capucinern, welche inwendig in der grossen Verschanzung der Höhen auf der an-Dern Seite des Po ware, zuforderst einnehmen müste, und das kan ich nichtleugnen; dargegen aber bin ich auch der Meynung, daß diese Verrichtungvor allen Dingen nöthig war, damit man den Ort so wohl auf der andernZweyter Theil.V ySeite