Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXVI. 357
bardey gehen und da zu der Obfervations- Armee stoffen können, wodurch dennDiese des Kaysers seiner, der jenseit der Alpen keinen festen Sitz übrig hatte,Dermassen überlegen gewesen wäre, daß man selbige Armee leicht zwingenmögen, wieder nach Teutschland zurück zu gehen, und aus Italien zu weichen.Ja ich sage noch mehr, nehmlich wenn man auch schon, aller meiner ießt- an-geführten guten Gründe ungeachtet, die Citadelle hätte förmlich belagern wolslen, so hätte man solche auf der Stadt- Seite, und nicht von dem Felde herangreiffen sollen, weil da eine wohl bereitete Fronte war, die nach dem Feldezu alles bestreichen konnte. Man kan also dem Fehler, welchen man bey der,Wahl des Angriffs der Stadt Turin begangen, alles Unglück, so in Italienvorgefallen, allerdings beymeffen.
Ob auch wohl die Belagerung der Festung Ryffel, im Jahr 1708. unfern Feinden gelungen, so werde ich dennoch das Project so wohl, als dasVerhalten bey der Wahl des Angriffs dieses Orts, zu tadeln haben. DerAnschlag auf diese Belagerung hat einem jeden klugen Menschen als eitetvorkommen sollen: die Festung war, mit aller Nothdurfft, ziemlich wohl ver-sehen, zudem mit aller Sorgfalt, die Mr. de Vauban bey einer Festung gebrauchen mögen, befestiget worden, bevorab da der Ort, als solchen der Kosnig eingenominen, bereits mit Bollwercken versehen war, er auch, über dieCitadelle, selbigem alle Aussenwercke, so er für nöthig erachtete, annoch beysgefüget hatte. Neben dem befand sich der Marschall de Bouflers, mit cinerBesaßung von funffzehen tausend Mann ungefähr, in der Festung. Undwie hat man sich nur einbilden mögen, daß man alles, was an erforderterKriegs Nothdurfft und Proviant aufgehen muste, vor diesen Ort bringen,und alle nöthige Artillerie und Werckzeug, so zu einem solchen Vorhaben erfordert werden, dahin abführen können, wenn dergleichen unbeschreiblicheLasten drey und zwanzig Französische Meilen zu Lande, und durch eine Ar-mee von mehr als achtzig tausend Mann, die sich zusammen ziehen und solcheentfeßliche Convoyen, deren einzige Reihe von Wagen zum wenigsten fünffFranzösische Meilen lang war, gar leicht hindern kan, ihren Weg zu nely-men haben? Gleichwohl ist alles dieses geschehen, ohne daß man einen Pistolen- Schuß darauf gethan, oder ein einziger Wagen ausgespannet wordensey, welches die Nachkommen nicht sonder Mühe glauben werden, nichts destoweniger aber eine ganz sichere Wahrheit ist.
Ich will hier von dem, was das Project dieses Unternehmens anbelanget, weiter nichts gedencken, sondern mich wiederum zu der Materie diesesCapitels wenden, nehmlich zu der guten oder schlimmen Wahl des Angriffseiner Festung.
Man wird sich erinnern, daß ich schon gefaget habe, daß ein General
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