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Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
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356
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356 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXVI.

langen mögen, nachdem er sich doch einmahl hinein gesperret hatte. Und daman, vor dem Angriff der Stadt Turin bey einem von erwähnten Thoren,die mehr gedachten Höhen in Besitz zu nehmen hatte, so ist gewiß, daß dieWahl dieser beyden Angriffe die Haupt- Würckung hervorgebracht hätte,daß nehmlich der Krieg in Italien dadurch wäre auf einmahl zu Ende gebrachtworden.

Im übrigen ist es der Wahrheit nicht gemäß, daß einer von solchen bey-den Angriffen der Stadt das Vorhaben verzögert, und zu drey Belagerungenveranlasset hatte, wie solches aus folgender Ursach erhellet: Das Corps Trupspen, so in die Festung hinein gesperret, war ziemlich wichtig, daher muste manviele Mittel anwenden, dasselbige zu vernichten. Diese Mittel fanden sich,wenn man dessen Arbeit vermehrete und seinen Verlust hier und dar multi-plicirte; hingegen beraubte man sich dieser Mittel, wenn man Turin nur aneinem Ort angriffe, und dessen Gegenwehr auf einen Punct einschränckte,nehmlich auf die Fronte des Angriffs gegen die Citadelle. Da auch überDies die Attaque gegen das Schloß- Thor so beschaffen war, wie ich gedachthabe, wie kan man glauben, daß die Citadelle allein hatte so viel Leute, dienach Eroberung der Stadt im Stande geblieben, fernere Dienste zu leisten,in sich fassen können, weil diese in dem Fall, da man sie bey dem SchloßThor angegriffen, keinen langen Wiederstand leisten mögen? Wie kan mansich hiernächst einbilden, daß ein Theil Truppen hartnäckig darauf bestehenwollen, daß er in der Stadt mit Gewalt sich überwinden lassen wolte, nachdem solche eröffnet worden, da immittelst der andere Theil sich in die Citadelleeingesperret hatte, um folke dritte Belagerung darinnen auszuhalten?

Allem Ansehen nach würde die Capitulation der Stadt der Citadelleihre, mit solchen Bedingungen, die für die Truppen etwas ehrlicher oder etwas schlechter gewesen, reguliret haben. Jedoch will ich einen Augenblickvoraus setzen, daß man die Stadt eingenommen, ohne daß selbige wegen derCitadelle zugleich capituliret hatte, und daß, wegen Hartnäckigkeit der Befazung und deren Gegenwehr, zu der Zeit, da die Stadt zu capituliren geszwungen worden, ermeldete Besatzung dergestalt geschmolzen gewesen, daßin der Festung nur so viel davon übrig geblieben, als die Citadelle, zu ihrernöthigen Gegenwehr, in sich faffen mögen, so wäre dieses zwar, wie mich bedüncket, das allerhartnäckigste, was sich, bey Vertheidigung der Stadt Tu-rin, zutragen können; allein warum hatte uns denn die Hartnäckigkeit zwin-gen sollen, die Citadelle förmlich zu belagern? Ich sehe keine Ursach darzu;ich halte vielmehr dafür, daß zwanzig Bataillons und fünffhundert Pferdehinlänglich gewesen wären, die Stadt zu besetzen und die Citadelle von aussenzu bloquiren, die übrige Armee von der Belagerung aber hätte in die Lom-bardey