362 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXVIII.
Es ist eine gewisse Grund- Regel, daß ie eher man einen Haupt- Wallmit Stücken niedergeschossen, den innern Theil der Wercke ruiniret, und dieBesatzung, durch der Bomben Würckung, abgemattet hat, ie eher bemeistertman sich der Festung. Ist es also eine blosse Festung, darinnen meist lauterSoldaten liegen, die man angreiffet, so muß man, mit einem grossen Feueraus den Stücken, den Anfang machen, und die Festungs- Wercke nebst denBrust- Wehren des Haupt Walls& den Grund zu schiessen bemüher seyn:gestalt man auf diese Weise, mit geringerm Berlust, hinzu nahet, und dieBatterien alsdenn desto leichter den Haupt Wall ruiniren können. DieBomben aber dienen nur darzu, daß sie den innern Theil der Wercke undBatterien, die man nicht sehen kan, und bisweilen die Magazine, zu Grundrichten. Ist hingegen der Ort, welchen man angreiffet, eine grosse und mitVolck angefüllete Stadt, so ist der Gebrauch der Bomben darzu allerdingsnöthig, massen diese die Wohnungen zerstöhren, und das Volck stets abmatten, so daß solches es bald überdrüßig wird, wenn es für die Erhaltung sei-nes Lebens und Vermögens unaufhörlich sorgen muß, und sich endlich, vordem Verlust, welchen ihm das von oben herab kommende Feuer verursachet,dennoch nicht verwahren kan.
Mr. de Vauban ist der erste, der sich vor andern hervorgethan, daß erdie Stück- Gerüste, zu mancherley Gebrauch, hat wohl anlegen lassen, ja erist auch der Erfinder derjenigen, wo man die Kugeln zu dem Aufprallen absschieffet. Um nan dieses zu erklären, so ist zu roissen, daß man halb- geladeneKugeln, entweder längst einem Arm eines bedeckten Wegs, oder in ein Werck,oder in einen trockenen Graben, oder auch sonst in einen Ort, den man aufDen Batterien nicht sehen kan, zu schieffen pfleget. Diese Kugeln lauffen gangfachte und wälzen sich nur fort, haben aber Krafft genug, denen, so etwasverrichten, die Beine entzwey zu schmeissen, oder diejenigen, welche die Mat-tigkeit auf der Erde zu schlaffen nöthiget, gar um das Leben zu bringen. Undgleichwie man weiter nichts, als einen Richt- Keil, gebrauchet, wenn man dieKugeln so abfeuert, daß sie aufpralien sollen, so fähret man mit diesem Gebrauch des Nachts so wohl, als bey Tage, fort.
Der erste Fürst, welcher den Gebrauch der Feuer- Mörser vermehret hat,der Bischoff von Münster, Bernhard von Galen, gewesen.
Im Jahr 1672. commandirte Mr. de Luxembourg dessen Armee, unddes Churfürsten von Colln seine, bey der Belagerung der Stadt Groll, wobey gedachter Fürst dem Herrn de Luxembourg zwar die Sorge für den An-griff überließ, er selbst aber nahm über sich fünff und sechzig Mörser um dieStadt herum zu vertheilen, darauf es denn geschahe, daß solche, in vier Stunden, die ganze Stadt in Brand sesten, und das Volck zwangen, daß es,
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